Kritik an Ausflüglern 

Viel Ärger: Warum der Kalchreuther Wald so beliebt ist

2.6.2021, 10:30 Uhr
Spaziergänger genießen die Ruhe und die besondere Atmosphäre des Kalchreuther Waldes. 

Spaziergänger genießen die Ruhe und die besondere Atmosphäre des Kalchreuther Waldes.  © Klaus-Dieter Schreiter

Kalchreuth kommt seit der Corona-Krise kaum aus den Schlagzeilen, der Grund lag und liegt auf der Hand: Wenn alles geschlossen hat(te), kommt der Natur als Ausflugsziel eine tragende Rolle zu. Die Folge: Die Gemeinde, Einwohner und Bürgermeister gleichermaßen, klagten bereits im Winter über zu viele und zu rücksichtlose Ausflügler, der Rathauschef verglich (und entschuldigte sich bereits dafür) die Besucher im Mai 2021 ausgerechnet in einer Pandemie-Zeit mit "Viren", die sich überall ausbreiteten.

Doch was macht den Reiz des Ortes eigentlich aus? Eine Antwort darauf gibt ein Spaziergang vom Parkplatz Sklavensee Richtung Westen zur Dürerquelle und dann zum Jungfernsitz mit einem, der es wissen muss: Diplom-Forstingenieur und Forstamtmann Siegfried Dörfler, der beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth (AELF) für das Forstrevier Nürnberg zuständig ist; zu dem Gebiet gehören unter anderem im Landkreis Erlangen-Höchstadt Eckental, Heroldsberg und eben auch Kalchreuth.

"Hier ist es so schön", sagt Dörfler. Er kann gut verstehen, dass viele Ausflügler vor allem aus dem Ballungsraum in der Natur Ruhe und Ausgleich suchen und finden. "Insbesondere im harten Lockdown konnte man ja nirgendwo hingehen, da war der Wald ganz besonders wichtig, auch weil die Ansteckungsgefahr im Freien nicht so groß ist." Aber auch jetzt, da es immer mehr Lockerungen gibt, wird das Gebiet weiterhin viele Menschen anziehen.

Mit Märchenwaldcharakter

"Das alles hat einen richtigen Märchenwaldcharakter", sagt der Forstingenieur, während er die verschlungenen Waldwege entlangmarschiert und, wie er sagt, die "markante Ausflugspunkte" Dürerquelle und Jungfernsitz ansteuert. "Man läuft hier eine Schlucht herunter, es ist nicht alles so bretteben, das allein ist schon schön und man sieht große Steine."

Das Waldstück vom Parkplatz Sklavensee in Richtung bis zum Jungfernsitz in Kalchreuth ist voller Überraschungen.

Das Waldstück vom Parkplatz Sklavensee in Richtung bis zum Jungfernsitz in Kalchreuth ist voller Überraschungen. © Klaus-Dieter Schreiter

Auf diese kann man sich auch gut mal setzen, denn Bänke gibt es in dem Gebiet wenige oder keine, auch, um sich nicht zu lange an einer Stelle aufzuhalten oder dort größere Pausen mit Mahlzeiten zu machen.

Dazu kommen Schatten- und Lichtspiele auf kürzester Distanz: "Das ist einfach traumhaft", erläutert Dörfler, "das macht einen Wald aus". Das alles zusammen gebe es in dieser Form in der Gegend so gut wie nirgendwo anders. Auch die verschiedenen Bäume zeichneten das Waldgebiet aus, eine ganz besondere Artenvielfalt: Buche, Fichte, Ahorn, Linde ("riecht wunderbar und ist für Insekten wichtig"), auch Rosskastanien gibt es.

Totholz bleibt im Wald

Zudem geht es in dem Gebiet in den Staatswald hinein, das bedeutet: Es wird ein gewisser Anteil an Totholz gelassen. "Das erinnert auch an etwas Verwunschenes, an einen Urwald", betont er. Das sei auch das Konzept, erläutert er, man wolle das Totholz belassen nach dem Motto "Totholz lebt". Denn damit und daran können viele seltene Käfer und seltene Pilze leben. "All das ist hier besonders und interessant", sagt Dörfler.

Dazu komme das Vogelkonzert, klar: Vögel gibt es auch woanders, doch in diesem Waldgebiet erklingt der Gesang ganz besonders schön und durchdringend. Der Grund: "Der ganze Lärm, ob von der Straße oder von Auto-, Schienen- oder Flugverkehr ist komplett weg", sagt Dörfler. Der Lärm könne wegen der Schlucht nicht in den Wald eindringen, man höre also gar: nichts. "Auch deshalb kommen die Menschen hierher, man hört nur ein bisschen Wasserrauschen und die herrlichen Vögel", sagt er.

Bei den Tieren gibt es ebenfalls eine große Artenvielfalt: Wildschweine, Rehwild und viele kleine Raubwilder wie Fuchs, Dachs, Iltis oder Baummarder, das alles kreucht und fleucht in dem Gebiet. "Wenn ich viele Strukturen habe, habe ich auch viele Tiere, die diese nutzen", sagt Dörfler, "das zeigt, dass alles harmoniert und das ökologische Gleichgewicht in Ordnung ist".

Forstingenieur Siegfried Dörfler liebt die Natur von Kindheit auf und freut sich über einen Wald wie in Kalchreuth. Denn dieser, erläutert der Fachmann, ist im ökologischen Gleichgewicht. 

Forstingenieur Siegfried Dörfler liebt die Natur von Kindheit auf und freut sich über einen Wald wie in Kalchreuth. Denn dieser, erläutert der Fachmann, ist im ökologischen Gleichgewicht.  © Klaus-Dieter Schreiter

Da das so ist, müssen Dörfler und seine KollegInnen dort auch gar nicht so viel in Ordnung bringen und halten. Waldumbau, wie er etwa in Gebieten mit nur einer Baumart nötig ist, braucht es hier nicht groß: "Wenn Sie nur eine Baumart haben und es grassiert der Borkenkäfer, dann sind sofort alle betroffen", erklärt Dörfler. Er selbst ist in einer oberfränkischen Landwirtschaft aufgewachsen hat früh seine Liebe zu Umwelt und Natur entdeckt und entwickelt. "In diesem Kalchreuther Wald muss man nicht viel machen, das ist ein stabiler, guter Mischwald, da braucht es wenig Neu- und Umpflanzungen."

Umbau wie von selbst

Solche schönen Wälder sorgen quasi von selbst für den Umbau. Da sei, wenn überhaupt, mal ein wenig Lichtsteuerung nötig, also den ein oder anderen Baum in nachhaltiger Weise herauszunehmen, damit dort ein neuer nachwachsen kann, außerdem bekommt man so auch einen Rohstoff. "Bei Wald muss man immer an die Nutzfunktion denken, die uns auch hilft", betont Dörfler. Doch die müsse in dem Maße sein, dass jeder Gesichtspunkt berücksichtigt werde.

Waldmeister ist eine typische Waldpflanze und darf problemlos in Handstraußgröße gepflückt werden.

Waldmeister ist eine typische Waldpflanze und darf problemlos in Handstraußgröße gepflückt werden. © Klaus-Dieter Schreiter

Der Wald sei für alles wichtig, erläutert der Experte: für das Wasser, die Luft, also das gesamte Klima, denn er bindet viel Kohlendioxid, ist Rohstofflieferant, dient den Tieren als Lebens- und den Menschen als Erholungsraum. Daher seien für das Waldmanagement Fachleute wie er so wichtig. "Man muss Totholz stehen lassen dürfen, aber man muss auch etwas ernten, um neben der Nutzung den jungen Bäumen auch mehr Licht zu geben, auch das Rehwild darf nicht überhandnehmen."

Der Kalchreuther Wald ist in Richtung Dürerquelle also so etwas wie ein Paradebeispiel für einen gesunden Wald. Dörfler, der ohnehin viel Arbeit vom Schreibtisch erledigen muss, kommt somit eher selten in das Gebiet. "Wir müssen eher dorthin, wo es Probleme mit dem ökologischen Gleichgewicht oder auch mit unachtsamen Ausflüglern gibt."

Auch hier ist das Gebiet ein Vorzeigestück. "Die Besucher, die in diesen Wald kommen, sind größtenteils verantwortungsbewusst", lobt Dörfler, "es sind Familien und auch Alleinstehende, nur wenige lassen Müll liegen oder brennende Zigaretten".

Aber Ausnahmen gibt es. Und da das Gebiet besonders erhaltenswert ist, so appelliert Dörfler an alle, die das Gebiet aufsuchen: "Bitte nicht grillen, da kann schnell ein offenes Feuer daraus werden, nicht rauchen und die Kippen wegewerfen, das kann sich vor allem bei Trockenheit schnell zu einem Großbrand ausweiten und auch niemals Müll im Wald entsorgen, das schadet der Natur und den Tieren, die das womöglich dann fressen."

Das sollten Sie bei einem Waldbesuch wissen:

Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz (BayNatSchG) darf grundsätzlich jeder ohne behördliche Genehmigung und ohne Zustimmung des Grundeigentümers oder sonstigen Berechtigten zur Erholung Flächen in der freien Natur betreten.

Wild wachsende Pflanzen, Blüten, Zweige oder Blätter in Mengen, die nicht geschützt sind und nicht über einen Handstrauß hinausgehen, darf man aus der Natur entnehmen und sich wild wachsende Waldfrüchte (Pilze, Beeren, Tee- und Heilkräuter, Nüsse) in "ortsüblichem Umfang" aneignen. Dieses sogenannte Entnahme- bzw. Aneignungsrecht gilt nur für den eigenen Gebrauch. Das Sammeln, etwa zu gewerblichen Zwecken, fällt nicht darunter. Auch für Nationalparks oder Naturschutzgebiete gelten besondere Regeln.

Es gibt auch Blumen und Pflanzen sowie deren Wurzeln oder Knollen der gesetzlich geschützten Arten, die nicht mitgenommen werden dürfen. Darunter fallen etwa alle Enzian- Iris-, Lilien- und Orchideenarten sowie auch Leberblümchen, Schlüsselblumen, Schneeglöckchen sowie See- und Teichrosen.

Auch die Feuergefahr spielt in der Natur eine große Rolle. So ist zum Beispiel Rauchen in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober nicht gestattet.

Mehr dazu finden Sie hier: www.aelf-fu.bayern.de und hier

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