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Auch mit 49 fällt der Abstand vom Basketball schwer

Neumarkterin Kathrin Neu hat ihren Jungbrunnen unter dem Korb gefunden - 28.10.2020 18:16 Uhr

Aus einer langen Karriere hat sich die Neumarkter Basketballerin schöne Erinnerungen aus der Zeitung aufbewahrt.

26.10.2020


Aus Rücksicht auf die Gesundheit vor allem ihrer Angehörigen und berufliche Verpflichtungen setzte sich die Mannschaft dafür ein, das für den 24. Oktober terminierte erste Punktspiel der neuen Runde gegen den BBC Bayreuth abzusagen. Dabei dürfte es nur ein knapper Sieg der Vernunft über den Tatendrang gewesen sein, den die Schützlinge von Trainer Fabian Richter seit dem Trainingsstart im Frühsommer aufgebaut hatten.

Schließlich wollen die weiblichen Aushängeschilder der Fibalon Baskets Neumarkt in der vierthöchsten Spielklasse, in der 2019/20 erstmals der sportliche Klassenverbleib gelungen war, beweisen, warum intern vom talentiertesten Jahrgang aller Zeiten gesprochen wird. "Die Top 4 zu erreichen ist unser Minimal-Ziel", erklärt Fabian Richter, der sich über den zusätzlichen jugendlichen Schwung freut, den Paula Auhuber (13 Jahre), Theresa Hofbeck (15) und die aus Regensburg zurückgekehrte Bilyana Garland (19) in die Gruppe bringen. Unverzichtbar jedoch bleibt der Beitrag erfahrener Kräfte. Tatjana Weber greift nach der zweiten Babypause wieder an. "Die gute Seele der Mannschaft", wie Fabian Richter seine dienstälteste Akteurin nennt, wiederum wird wohl auch am 7. November gegen den Post SV Nürnberg aussetzen.

Kathrin Neu in frischer Montur für das Saisonheft 2020/21.

26.10.2020


Kathrin Neu, die beim Bayernliga-Aufstieg 2017 noch eine wichtige Rolle auf der Center-Position spielte und mit Durchsetzungsvermögen unter dem Korb voranging, zwang im vergangenen Jahr zunächst eine Schulterverletzung zur Pause und hält sich nun in Corona-Zeiten den Eltern zu Liebe mit dem Kontaktsport zurück. Obwohl die 49-Jährige gerne dem technisch besser ausgebildeten Nachwuchs den Vortritt lässt, fällt ihr das Abstandhalten zur Halle schwer.

"Es fehlt etwas", konstatiert Neu, die sich vorgenommen hatte, den sonntäglichen Auftritt ihrer Vereinskolleginnen zumindest aus dem eigenen Keller per Livestream zu verfolgen. "Dynamik, Ästhetik" und die stete geistige Beanspruchung beim "Mitdenken" halten ihre Basketball-Begeisterung nach über 25 Jahren frisch. "Für Mädels besonders passend, weil nicht zu brutal."

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Basketball: Das erste Neumarkter Lehrjahr in der Bayernliga

Die Basketball-Frauen der Fibalon Baskets Neumarkt (weiß) um die erfahrene Kathrin Neu brauchten in der Saison 2017/18 neun Anläufe für den ersten Sieg. Den Longhorns der TS Herzogenaurach unterlagen sie etwa zu Hause mit 33:48.


In die eigene Karriere startete Neu hingegen als 20-Jährige reichlich verspätet. Ihre einstige Hemmung, sich im sportlichen Konkurrenzkampf zu blamieren, legte Kathrin Neu durch ihre umso leidenschaftlichere Verteidigungsarbeit ab. Über die Stationen Woffenbach und Stauf erlebte die gelernte Optikerin die kontinuierliche Weiterentwicklung der Neumarkter Szene hin zum eigenständigen Spartenklub, gleichzeitig verschwamm durch ihren ebenfalls im Verein involvierten Mann Andreas das Freizeitvergnügen mit dem Privatleben.

Längst "bestimmt am Wochenende der Basketball den Familienalltag", berichtet Neu, die sich als Übungsleiterin und im Verkauf engagierte, als ihre Söhne ihre ersten Körbe warfen. Die Aufsicht der Großeltern ermöglichte zwischenzeitlich gar die Konstellation, dass der Ehemann seine Frau von der Seitenlinie als Trainer dirigierte.

Emotionaler Ruhepol in der Hektik

Kathrin Neu kam damit zurecht und fand es genauso wenig befremdlich, eines Tages mit den Töchtern früherer Weggefährtinnen auf dem Feld zu stehen. "Solange sie mich noch brauchen, fühle ich mich selbst jünger. Es macht viel Spaß", erklärt Neu, die sich dem Vernehmen nach beim Kabinengeplauder durchaus kommunikationsfreudig beteiligt. "Insgesamt ist es ein angenehmes Miteinander, die Mädels behandeln mich wie ein normales Teammitglied. Im Gegenzug versuche ich auch nicht, ihnen mein Wissen auf die Nase zu binden."

Sofern es in hektischen Situationen angebracht ist, stehe sie dafür als "emotionaler Ruhepol" parat. Die physischen Belastungen steckte Neu derweil auch mit über 40 Jahren erstaunlich gut weg, verweist stolz auf einen Auftritt im Januar 2019, bei dem sie "durchgespielt" hat. Seit der langen Verletzungspause musste sie zwar Tempo- und Ausdauerdefizite eingestehen, nahm sich aber vor, "bis zum Fünfzigsten durchzuhalten".

Da die Pandemie dieses Vorhaben aktuell blockiert, lässt der unverkennbare enthusiastische Grundton dennoch erahnen, dass Neu ihr Karriereende noch etwas verschiebt.

KEVIN GUDD

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