Nicht länger im Abseits

Bayerns erste transsexuelle Fußballerin spielt im Landkreis Forchheim

5.7.2021, 08:01 Uhr
Kraftvoll: Laura beim Abschlag bei einem Testspiel am vergangenen Samstag in Hetzles. 

Kraftvoll: Laura beim Abschlag bei einem Testspiel am vergangenen Samstag in Hetzles.  © Thomas Hahn

Laura ist sich im Klaren: Wenn sie gemeinsam mit den Bezirksliga-Fußballerinnen der SG DJK-SpVgg Effeltrich/SV Hetzles (Landkreis Forchheim) auf den Fußballplätzen in der Region steht, wird sie die Blicke auf sich ziehen, doch das stört sie nicht. Sie weiß: "Ich bin anders." Die 25-Jährige vollzieht gerade eine Transition vom Mann zur Frau - und sie ist die erste im Freistaat, die diesen Weg als Fußballerin geht.

Laura wuchs mit einem männlichen Namen auf und sie hatte als Junge, wie auf dem Land üblich, in der F-Jugend mit dem Fußballspielen angefangen. Nachdem sie verschiedene Jugendklassen durchlaufen und auch zwei Jahre bei den Herren gespielt hatte, wurde ihr klar, dass sie zwar als Mann sozialisiert wurde, sich aber im angeborenen Körper nicht wohlfühlt und eine Frau ist. "So richtig bewusst wurde mir das zu Beginn meiner Studienzeit", sagt Laura. Sie machte 2015 Abitur und studiert aktuell Nanotechnologie mit Kernfach Biomaterialien im zweiten Master-Semester in Erlangen.

Entscheidender Film

2017 folgte ein entscheidender Schritt in ihrer Wandlung. Sie schaut sich gemeinsam mit Freunden den Film "The Danish Girl" an, der Transsexualität zum Thema hat. "Der Film hat was ausgelöst in mir und mir bei der letzten Entscheidungsfindung geholfen", verrät sie. Das habe dazu geführt, dass sie sich während ihrer Studienzeit ausprobierte. "Ich bin beispielsweise während der Erlanger Bergkirchweih mit einem Dirndl bekleidet über den Berg gegangen."

"Mein Vorhaben war anfänglich aus Angst vor negativen Erfahrungen als Spaß getarnt", erzählt Laura. Die Reaktionen aus ihrem Freundeskreis seien unterschiedlich gewesen, als man gemerkt habe, dass dieses Outfit eben kein Gag, sondern beabsichtigt gewesen sei. Laura erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sie erstmals im Dirndl auf dem Berg unterwegs war. "Ich habe natürlich die Blicke auf mich gezogen", sagt die 25-Jährige. Manche hätten sie sehr gestört. Es kamen teilweise blöde Sprüche; Laura fühlte sich unwohl.

Ein paar Wochen später probierte sie das Gleiche auf dem Forchheimer Annafest mit Perücke aus, um auf den ersten Blick als Frau erkannt zu werden und erhielt für ihren Mut, sich zu outen, viele aufmunternde Kommentare und "Daumen hoch-Zeichen". Und ihr Umfeld? Es gab wenige Freunde, die sich daraufhin von ihr abgewandt haben. "Aber das waren dann keine richtigen Freunde", schiebt sie hinterher.

Lange überlegt

Lange Zeit war für sie nicht klar, wohin die Reise gehen würde. "Trage ich nur gerne weibliche Kleidung oder fühle ich mich tatsächlich als Frau?" Diese Frage hat Laura für sich nach langer Überlegung geklärt. Sie sieht sich als transsexuell an.

Das Outing ist bei Laura ein längerer Prozess gewesen, ein Schritt sei auch gewesen, sich in der Damenmannschaft der SG Effeltrich/Hetzles anzumelden. "Effeltrich ist ein sehr offener Verein und das hat mir imponiert", erzählt Laura über den Grund für ihre Wahl. Und die Reaktionen auf ihre besonderen Geschichte? Überwiegend positiv seien sie gewesen. "Ich finde es toll, dass ich in Effeltrich mit offenen Armen empfangen worden bin", sagt sie.

Laura stand beim ersten Testspiel in Hetzles im Tor.

Laura stand beim ersten Testspiel in Hetzles im Tor. © Thomas Hahn

Laura selbst war es, die sich anfänglich mit manchen Situationen schwergetan hat: unter anderem beim ersten gemeinsamen Duschen. "Es war für mich schon eine Hemmschwelle da", erzählt sie. Beim zweiten Training überwog dann die Erleichterung. "Ich bin froh, dass die Mädels das so locker sehen", erzählt Laura.

Und wie sieht es mit der körperlichen Veränderung aus? Aktuell nimmt Laura Hormonpräparate. "Meine Tabletten sind die gleichen Medikamente, die auch Frauen in den Wechseljahren nehmen, wenn der Estradiolspiegel absinkt", erzählt sie. Was sie bei der Einnahme aber deutlich unterschätzt habe, seien die Stimmungsschwankungen, die man als Frau bekomme. "Manchmal habe ich mich dann schon hinterfragt, warum ich gerade so gewesen bin", sagt Laura.


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Ob es bereits einen operativen Eingriff gegeben habe, ob ein solcher Eingriff eventuell noch bevorsteht, oder ausgeschlossen ist, darüber möchte Laura aktuell noch nicht reden. Die "Männerklamotten" sind jedenfalls inzwischen aus dem Kleiderschrank verbannt. Dort hängen jetzt aktuell Sommershorts und Kleider.

Hat Laura bei den Frauen einen Wettbewerbsvorteil? Den sieht sie nicht, "weil ich durch die Hormoneinnahme deutlich an Muskelmasse verloren habe." Außerdem zieht sie einen Vergleich zum Basketball, wo ja auch Spieler unterschiedlicher Größe mit- und gegeneinander antreten.

Tolle Saison

Und die fußballerischen Ziele für die Zukunft? Sie fände es genial, mit der SG gegen den TSV Mörsdorf zu spielen. Dort, im Landkreis Neumarkt, hat Laura früher schon einmal gespielt, aber eben halt als Junge. "Lustigerweise ist ein früherer Jugendmitspieler gerade Trainer der dortigen Damenmannschaft", sagt sie. Ansonsten steht bei ihr der Spaß am Sport im Vordergrund und sie freue sich auf eine tolle Saison.
Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden geben, rät Laura: "Ich würde ihnen sagen, die vor so einer Entscheidung stehen, dass sie keine Angst haben müssen, sich an Freunde oder Familie zu wenden oder etwas Neues auszuprobieren. Wenn sie richtige Freunde sind, dann werden sie für einen da sein. Generell hat aber niemand den Zwang, sich zu outen. Man selbst bestimmt den Zeitpunkt, wenn man so weit ist."

Und es helfe auch sehr, sich an Selbsthilfegruppen zu wenden. "Dann merkt man, dass man nicht allein in der Situation ist und es nichts Unnatürliches ist", fügt sie an. Ihr Zwischenfazit in der Transitions-Phase: "Egal welchem Geschlecht man sich zuordnet, welche sexuelle Orientierung man hat, wo man herkommt oder was man erlebt hat, das Wichtigste ist und bleibt: Wir sind alle 100 Prozent Mensch."

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