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Darts: Der Mann, der Phil Taylor nach Franken lockte

Daniel Fickel hat Darts in der Region populär gemacht - 31.01.2021 09:54 Uhr

Phil Taylor visiert bei "Dartsfieber III" 2019 in der Hesselberghalle die Scheibe an.

29.01.2021 © Mathias Hochreuther


Es ist eine Begebenheit vor gut zehn Jahren in Salzburg, die dazu führt, dass aus einem interessierten Beobachter der Darts-Szene ein wahrer Darts-Enthusiast wird. Daniel Fickel weilt damals zum Urlaub in der Stadt an der Salzach. Und weil dort zufällig ein Turnier in der Sportart ausgetragen wird, die er schon seit längerer Zeit immer wieder im Fernsehen verfolgt, beschließt er, zuzuschauen.

Auf der Bühne steht Vincent van der Voort, einer jener etwas fülligen, glatzköpfigen Männer, die bisweilen das Bild des Dartssports in der Öffentlichkeit prägen. Der niederländische Profi ist für heute fertig, würde gerne zurück in sein Hotel. Doch das Taxi, das die Turnierleitung für ihn gerufen hat, will einfach nicht kommen. Van der Voort schimpft. "Da bin ich hin zu ihm und habe angeboten, dass ich ihn fahre", erinnert sich Fickel.


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Der Niederländer freut sich, willigt dankbar ein. "Alleine diesen riesigen Typen in meinem Kleinwagen sitzen zu sehen, war schon lustig", sagt Fickel. Und weil sich van der Voort nur noch vage an die genaue Adresse seiner Unterkunft erinnern kann, sitzen die beiden gute 90 Minuten gemeinsam im Auto. Sie verstehen sich prächtig. Der Darts-Profi lädt den heute 38-jährigen Röckinger daraufhin ein, ihn tags drauf zur Finalrunde des Turniers zu begleiten. Fickel sagt zu, van der Voort gewinnt den Wettkampf. "Ich habe ihn ganz gut motiviert", sagt der Edelfan rückblickend nicht ohne Stolz.

"War satt vom Fußball"

Wie das mit dem Motivieren geht, hat Fickel auf dem Fußballplatz gelernt. Einen großen Teil seines Lebens hat er als Spieler und Trainer auf dem grünen Rasen verbracht. Für die DJK Gnotzheim in der Kreisklasse Jura West, zum Beispiel, und für den SV Lellenfeld in der A-Klasse West. Mitte November 2018 dann trat Fickel als Trainer zurück. Die sportliche Situation war nicht zufriedenstellend, die Mannschaft mitten im Abstiegskampf. An die Seitenlinie zurückgekehrt ist er seither nicht mehr.

"Vielleicht war ich auch einfach satt vom Fußball", sagt Fickel. Der Dartssport, den er damals schon seit mehreren Jahren aktiv betreibt, fesselt ihn inzwischen mehr. "Im Darts ist Trainingsfleiß übrigens noch wichtiger als im Fußball", hat er festgestellt. Auch weil es noch viel mehr auf dein einzelnen Spieler ankommt. "Wenn du auf dem Platz einen schlechten Tag hast, fangen das zehn andere Leute auf."


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Als Fickel sich vom Fußball abwendet, ist er als Dartsspieler bereits ziemlich erfolgreich. Mit dem in Kleinschwarzenlohe beheimateten DC Franken-Power steigt er 2018 in die Bayernliga auf, die zweithöchste deutsche Spielklasse im Dartssport. Auch auf diesem Niveau schlägt er sich gut, doch die weiten Fahrten ins Training und zu den Spieltagen nerven ihn zusehends. "Dann habe ich zusammen mit acht Kumpels beim SV Lellenfeld angefragt, ob wir nicht eine Dartssparte aufmachen könnten".

Dicke Männer, kaum Bewegung?

Im Oktober 2018 war das, seitdem gibt es die Abteilung, die unter dem Namen DSC Hesselberg firmiert. Fünf sogenannte Boards, also computergestütze Dartsscheiben, stehen im Obergeschoss des Lellenfelder Vereinsheims, wo die Sportler des DSC für den Ligabetrieb trainieren. Insgesamt 40 Mitglieder umfasst die Abteilungen inzwischen. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat auch Spartenleiter Michael Stafflinger. Mit drei Mannschaften geht der DSC im Ligabetrieb an den Start, die erste Mannschaft wirft in der Bezirksliga A.

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An Spieltagen treten die Teams mit vier Spielern plus zwei Ersatzspielern an. Jeder Spieler absolviert drei Einzel und zwei Doppel. Auf absehbare Zeit soll es nach oben in die Landesliga gehen, sagt Fickel, "vor allem aber soll es Spaß machen." Eine "Anlaufstelle für die Region" in Sachen Darts soll der DSC werden. Spätestens dann, wenn die Corona-Pandemie nicht mehr den Alltag dominiert. "Jeder kann zu uns kommen, selbstverständlich auch Frauen", betont Fickel. Und auch in Sachen Nachwuchs wollen sie ihre Bemühungen intensivieren. Ein bis zwei Schnuppertage für Jungen und Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren soll es in Zukunft jedes Jahr geben.

Daniel Fickel auf der Bühne in der Hesselberghalle. Wann das ursprünglich für März 2020 geplante „Dartsfieber IV“ stattfinden kann, ist aktuell noch völlig offen.

29.01.2021 © Foto: Mathias Hochreuther


Dabei könnten die Hesselberger vom allgemeinen Darts-Boom profitieren. Seit einigen Jahren wird der Sport auch in Deutschland immer populärer. Die Stars der Szene wie Phil Taylor, Michael van Gerwen oder Rob Cross sind hierzulande inzwischen nicht mehr unbekannt. Trotzdem wollen manche Darts nicht so recht als Sport akzeptieren. Zu viel Kneipenflair, zu viele dicke Männer, zu wenig Bewegung. Daniel Fickel kann das nicht verstehen. "Vor 20 Jahren hatten diese Vorurteile vielleicht noch ihre Berechtigung. Heute nicht mehr. Mental ist das aber eine der schwersten Sportarten überhaupt und auch Fitnesstraining spielt heute eine größere Rolle."

Warten auf "Dartsfieber VI"

Fickel ist nah dran an der Szene, kennt viele große Stars des Sports persönlich. Und sorgt als Ausrichter der "Dartsfieber"-Veranstaltungen in der Hesselberghalle dafür, dass auch Fans in der Region in den Genuss von hochklassigem Dartssport kommen. Fickels gute Kontakte, die maßgeblich auf das gemeinsame Abenteuer mit Vincent van der Voort in Salzburg zurückgehen, sorgen dafür, dass es ihm jedes Jahr gelingt, echte Hochkaräter nach Wassertrüdingen zu locken.


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PDC-Rekordweltmeister Phil Taylor war schon da, Michael van Gerwen und Ron Meulencamp ebenfalls. Im März 2020 hätte eigentlich "Dartsfieber IV", die vierte Auflage des großen Spektakels, stattfinden sollen. Doch das Coronavirus ließ Fickel keine Chance.

Dreimal hat er die Veranstaltungen mittlerweile verlegt – und musste seine Pläne stets pandemiebedingt ad acta legen. Auf einen genauen Termin verzichtet er daher vorerst, nicht aber auf ein Versprechen: "Dartsfieber IV wird auf jeden Fall stattfinden. Ich hoffe, es klappt in diesem Jahr."

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