Donnerstag, 22.04.2021

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Läufer aus der Region mischten in Wettkampf unter Profis mit

Einladungsrennen in Dresden trotzte Corona-Beschränkungen - 23.03.2021 09:03 Uhr

Christoph Sturm im roten Regensburger Trikot beim Rennen durch den Dresdner Landschaftsgarten.

22.03.2021 © Foto: Sturm/privat


Den Montag hat sich Christoph Sturm vorsorglich zur Erholung frei genommen. "Nach der Belastung schlafe ich meistens schlecht. Aber der Muskelkater hält sich tatsächlich in Grenzen", sagt der 24-Jährige, der bei einer auf kindgerechte Schreibwaren spezialisierten Firma in Sengenthal angestellt ist. Auch die materielle Unterstützung des Arbeitgebers trägt wiederum dazu bei, dass Sturm nebenberuflich zur erweiterten bayerischen Spitze über die Leichtathletik-Langstrecken zählt.

Trotzdem sah sich der Henger wie viele andere Sport-Asse durch die Pandemie ausgebremst und in eine Trainingsschleife mit ungewisser Perspektive gedrängt. Vier Monate lag der bis dato letzte Auftritt im Trikot des SWC Regensburg vom Oktober schon zurück, ehe Sturm im Februar von einem Einladungsrennen in Dresden hörte. "Man muss ja froh sein, überhaupt irgendwo starten zu dürfen. Aber diese Konstellation war natürlich einzigartig im Vergleich zu anderen Läufen", erklärt Sturm.


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Nachdem bereits im November ein exklusives Feld durch die weitläufige Parkanlage des großen Landschaftsgartens nahe des Stadtzentrums gelaufen war, trotzten die lokalen Initiatoren in Zusammenarbeit mit einem renommierten Veranstaltungsorganisator aus Berlin erneut den Corona-Beschränkungen und profitierten von ihrem Alleinstellungsmerkmal. So entwickelte sich der Ersatz für den abgesagten Volkslauf zum Stelldichein für eine Reihe nationaler und internationaler Szenegrößen, die ihre Chancen auf eine Olympia-Qualifikation wahren wollten.

Die geforderten Referenz-Zeiten erfüllten immerhin zwei Oberpfälzer aus dem Landkreis Neumarkt. Während sich Routinier Michael Lang über die 10 km in 31:52 Minuten auf Platz 3 der Altersklasse 40 positionierte, startete Christoph Sturm nach intensiver sechswöchiger Vorbereitung in der von ihm bevorzugten Halbmarathon-Distanz. Das Duo aus Postbauer-Heng bildete indes aufgrund der zeitlichen Abstände und der derzeit gebotenen gesundheitlichen Sicherheitsvorkehrungen keine Fahrgemeinschaft. Neben der Freundin als einziger Begleitperson durfte vor allem der frische negative Schnelltest nicht fehlen. "Vom Athletenhotel bis zum Zielbereich haben die Veranstalter auf eine strenge Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet. Es durften sich keine Grüppchen bilden. Das war schon ungewohnt ohne den üblichen Austausch. Allerdings wissen gerade die Profis, dass sie sich keine Fehler erlauben können", berichtet Sturm von den Rahmenbedingungen.

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Als die Masken im Pulk der knapp 70 Läufer um ihn herum fielen, spürte der 24-Jährige "mehr Aufregung als sonst". Die lange Wettkampfpause und die hochkarätige Konkurrenz verstärkten das Kribbeln in den Beinen, doch ein Nachteil entstand daraus nicht. Direkt nach dem Start zog sich das Feld auseinander, wobei sich Christoph Sturm in einer Gruppe mit Rabea Schöneborn wiederfand. Schöneborn, die am Ende siebtschnellste Frau wurde, schlug ein konstantes Tempo an und bewegte sich im Fokus eines der Begleit-Motorräder. Dessen Anzeige der Durchgangszeiten übte einen unbeabsichtigten Sog auf die gesamte Formation aus. "Du konntest den Kopf oben lassen und musstest nur dran bleiben", erinnert sich Sturm.

Mental anspruchsvoll wurde es dagegen vor allem in den Kurven, wenn im Gedränge eine versierte Koordination der Schritte erforderlich ist. Auf den achteinhalb Runden zu je 2500 m spielte an mancher Stelle zudem der Gegenwind eine Rolle. Wer wie Christoph Sturm gut aufgepasst hatte und seine Körpergröße von 1,70 Meter in der entsprechenden Passage noch kleiner machte, sparte entscheidende Körner. Ab Kilometer 16 konnte der einstige Triathlet bei einer Tempoverschärfung mithalten und zum Schluss in fünfköpfiger Gesellschaft selbst antreten. "Es gab keine taktischen Spielchen. Wir sind praktisch geflogen. Für alle ging es um die beste Zeit. Vom Kopf bis zu den Beinen habe ich mich stark gefühlt und weiß, dass sogar noch ein bisschen mehr gegangen wäre", freut sich Christoph Sturm, der in 1:12:44 Stunden einen neuen persönlichen Rekord aufstellte.

Nationalkader im Visier

Das "geile Gefühl, für das ich diesen Sport ja ausübe" möchte der 2013 entdeckte Schützling von Lauf-Coach Hans Lang nun ins Frühjahr mitnehmen. Einer wohlverdienten Lockerungswoche vom Standardpensum mit rund 70 km folgen erste Einheiten auf der Bahn zur Steigerung der Grundschnelligkeit. Die bayerischen Meisterschaften über 10000 Meter in Regensburg am Wochenende fallen aus. Statt 20 bis 25 Rennen wird wohl auch dieser Sommer lediglich eine handvoll Möglichkeiten bieten. Im September steht zum Beispiel der verschobene Halbmarathon von Lissabon auf dem Programm. Vor Auslandsreisen scheut sich Christoph Sturm nicht. Stationen in Österreich und Italien wären auf seinem angestrebten Weg in den Nationalkader der Bergläufer obligatorische Pflaster. Dass er im semiprofessionellen Bereich mithalten kann, hat er sich in Dresden bewiesen.

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