Official Strongman Game

Sandra Bradley aus Nürnberg ist eine der stärksten Frauen der Welt

15.1.2022, 08:00 Uhr
Sie gehört zu den stärksten Frauen der Welt, die Grundlagen dafür schafft sie in Nürnberg und Erlangen: Strongwoman Sandra Bradley

Sie gehört zu den stärksten Frauen der Welt, die Grundlagen dafür schafft sie in Nürnberg und Erlangen: Strongwoman Sandra Bradley © Sandra Bradley, NN

"World's strongest Woman" so nennt sich der Wettkampf, in dem sich die stärksten Frauen der Welt miteinander messen. Doch neben der reinen physischen Kraft benötigt es noch einiges mehr. Ein kleines Puzzlestück für den Erfolg sind gute Freunde. In Liefia Ingalls hat Sandra Bradley ihre beste Freundin und somit auch mentale Unterstützerin gefunden.

"Ich fühle mich mit ihr nie alleine"

"Liefia ist ein großer Faktor, weshalb ich in dem Sport so erfolgreich bin. Ich fühle mich mit ihr nie alleine", sagt die gebürtige Neumarkterin. Ingalls betreibt ebenfalls Strongman und kennt sich somit bestens in der Szene aus. Einzige Hürde der Freundschaft ist jedoch die räumliche Entfernung, denn Ingalls ist Amerikanerin und wohnt in Florida. Nach über zwei Jahren, in denen der Kontakt aufgrund der Pandemie nur über wöchentliche Zoom-Telefonate aufrecht gehalten wurde, trafen sich die beiden bei den "Official Strongman Games" in Florida endlich wieder.

"Es war natürlich unglaublich schön, sie nach solch einer langen Zeit wieder persönlich zu sehen", sagt Bradley. Die Gelegenheit nutzen die beiden, gemeinsam mit ihren Partnern, um nach dem Wettkampf die Zeit in Florida zu genießen und den Körper die nötige Ruhe zu schenken. "Nach dem gemeinsamen Urlaub sind wird fast unzertrennlich, umso schwerer ist es gewesen wieder nach Hause zu fliegen," sagt Bradley.

Der Sport, den die beiden so verbindet, entstand Anfang der achtziger Jahre in den USA. "Es ging darum herauszufinden, wer wirklich die stärksten Sportler der Welt sind, denn diesen Titel beanspruchten neben den Kugelstoßern, Gewichthebern und Bodybuildern noch weitere Sportler für sich", erklärt Sandra Bradley. "2013, als ich mit dem Sport anfing, hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt einmal bei 'World's Strongest Woman' stehen werde."

"Das drückt dir im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Körper heraus": Bei den "Official Strongman Games" musste Sandra Bradley auch ein Auto durch die Gegend tragen. © Sandra Bradley, NN

Acht Jahre später kann sie sich tatsächlich als eine der stärksten Frauen der Welt bezeichnen. Bei den "Official Strongman Games" belegte Bradley den dritten Platz in der Gewichtsklasse bis zu 82 Kilogramm. Neben dem Werfen von Sandsäcken und Heben von bis zu 137 Kilogramm schweren Atlassteinen musste sie auch ein 278 Kilogramm schweren VW Beetle 15 Meter auf ihren Schultern tragen. "Das drückt dir im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Körper heraus", sagt Bradley.

Tat Bradley sich aufgrund eines eingeklemmten Nervs bei diesem Event noch schwer, so kämpfte sie sich in den folgenden beiden Wettkampftagen umso stärker zurück. Dieser Kampfgeist resultiere laut Bradley aus schwereren Zeiten, als an Kraftsport noch nicht zu denken war und sie an einer Ess-Störung litt.

"Was ich damals durchgemacht habe, macht mich heute stark. Ich habe ein großes Leidensvermögen und kann gut einschätzen wie weit ich meine Körper treiben kann." Der Sport half ihr, sich aus der Ess-Störung zu kämpfen und zeigte Bradley: "Wenn ich aus meiner Komfortzone trete, kann ich Dinge erreichen, die ich niemals für möglich gehalten hätte."

Sandra Bradley kündigte ihren Job bei der Polizei

Diese Gewissheit helfe ihr auch außerhalb des sportlichen Lebens. Um diese Erfahrungen und ihr Wissen weiterzugeben, kündigte sie vor einem Jahr ihren langjährigen Job bei der Polizei, um sich selbstständig zu machen. Mit ihrer eigenen Trainingsplattform "SB Strength & Performance" möchte sie hauptsächlich anderen Frauen helfen und "ihnen zeigen, dass sie durch den Sport ihre Lebensqualität und ihr Selbstbewusstsein verbessern können." Ihr Motto "take up space" drückt so viel aus wie: "Sei Selbstbewusst und mach die Dinge, die dir wichtig sind", erklärt Bradley.

Der verdiente Lohn: Sandra Bradley (rechts) bestieg als Dritte das Podest bei den

Der verdiente Lohn: Sandra Bradley (rechts) bestieg als Dritte das Podest bei den "Official Strongman Games". © Sandra Bradley, NN

Durch die Selbstständigkeit veränderte sich auch das Training und die Trainingszeiten. "Früher musste ich mich immer an die gegebenen Arbeitszeiten anpassen, heute bin ich variabler", meint Bradley. "Jedoch habe ich nicht mehr, sondern anders Zeit", fügt sie hinzu.

Eine große Erleichterung bietet das umfunktionierte Kellerabteil unter der Wohnung in Nürnberg-Gostenhof, es ist nun ein kleines "Home-Gym". "Zur Zeit trainiere ich 50 Prozent im Fitnessstudio und 50 Prozent zu Hause, das passt mir ganz gut", sagt Bradley. Das Training im Studio absolviert sie weiterhin bei "Wellway Sports" in Erlangen.

Der Strongman Sport ist stetig am Wachsen, gilt aber noch als Randsportart, "weshalb der Zusammenhalt unter uns Sportlern sehr groß ist", sagt Bradley. "Generell ist die Entwicklung des Sports sehr positiv." So wurden im Sommer bei dem "World Ultimate Strongman"-Wettkampf in Dubai erstmalig auch die Hotel- und Flugkosten der weiblichen Sportler übernommen. Bis dato ein Novum.

"Der Wettkampf wurde sogar auf ESPN in ein paar Bars übertragen und wir Frauen durften auf der gleichen Stage wie die Männer antreten." Ein wichtiger Schritt zur Emanzipation von Frauen in der noch von Männern geprägten Sportart.

Bradley will weiter ein Teil dieser Entwicklung bleiben, denn auf der obersten Stufe des Podestes stand sie bei "World's Strongest Woman" noch nicht. Das Ziel ist daher klar: "Ich möchte die stärkste Frau der Welt werden, und dafür gebe ich alles." Unterstützung bekommt sie dabei ganz sicher von ihrer besten Freundin, Liefia Ingalls.

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