Logopäde gibt Tipps gegen Heiserkeit

Tabu bei Halskratzen: "Heiße Milch mit Honig ist ganz schlimm"

Martin Schano
Martin Schano

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19.12.2021, 06:01 Uhr
Martin Weyer bei der Arbeit: In seiner Praxis in der Nürnberger Südstadt arbeitet der Logopäde vorwiegend mit Kindern. Für unser Foto hat eine Puppe auf dem Stuhl gegenüber Platz genommen.

Martin Weyer bei der Arbeit: In seiner Praxis in der Nürnberger Südstadt arbeitet der Logopäde vorwiegend mit Kindern. Für unser Foto hat eine Puppe auf dem Stuhl gegenüber Platz genommen. © Foto: Wolfgang Zink

Herr Weyer, Advent ist die stade Zeit. Leider auch, weil viele Menschen erkältet und deshalb heiser sind. Haben Sie als Experte in Sachen Stimme das ultimative Rezept für uns?

Man kann sich wie ein Sportler aufwärmen, bevor man die Stimme kalt belasten würde.


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Vom Joggen bei Minusgraden raten viele Mediziner ab. Gibt es denn eine Sportart, die gut für die Stimme ist?

Sport an sich ist ganz gut für die Stimme – aber bitte nicht übertreiben. Wir Logopäden wissen: Wer immer wieder an seine Leistungsgrenze geht, hat auch immer wieder Probleme mit der Stimme.

Hat das damit zu tun, dass Mannschaftssportler zuviel reden auf dem Spielfeld?

Nein, das hat nichts mit dem Rumgeschreie auf dem Fußballplatz zu tun. Es hängt mit dem Kiefer zusammen: Psychischer und physischer Stress werden über Nacht über die Kiefergelenke verarbeitet. Auch bei unsportlichen Menschen.

Martin Weyer (55) ist hörbar gebürtiger Hamburger und hat seit 1999 eine Praxis für Logopädie in der Nürnberger Südstadt. Zu seiner Klientel gehören Menschen jeden Alters: Vorschulkinder, Schulkinder und Erwachsene nach Schlaganfall oder Gehirnblutung, die Probleme haben mit Sprache und Wortfindung, mit Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen. Weyer ist verheiratet, geht gern Wandern, macht alles mit dem Fahrrad und hat eine Dauerkarte beim Club.

Martin Weyer (55) ist hörbar gebürtiger Hamburger und hat seit 1999 eine Praxis für Logopädie in der Nürnberger Südstadt. Zu seiner Klientel gehören Menschen jeden Alters: Vorschulkinder, Schulkinder und Erwachsene nach Schlaganfall oder Gehirnblutung, die Probleme haben mit Sprache und Wortfindung, mit Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen. Weyer ist verheiratet, geht gern Wandern, macht alles mit dem Fahrrad und hat eine Dauerkarte beim Club. © Foto: Wolfgang Zink

Was kann ich dagegen tun?

Sie können den Kiefer morgens lockern, indem sie ein großes Stück vom Brötchen abbeißen, es im Mund hin- und herschieben und ordentlich durchkauen. Danach locker und entspannt summen, um die Stimmbänder aufzuwärmen, zum Beispiel zu einer Melodie im Autoradio auf dem Buchstaben M. Das ist vor allem zu empfehlen, bevor man einen Vortrag hält oder eine Besprechung hat.

Was sollte man vermeiden?

Räuspern. Da haut man die Stimmbänder aneinander und das belastet sie zusätzlich. Das ist ein Teufelskreis, man kommt aus dem Räuspern nicht mehr heraus, denn der Schleim sammelt sich nur auf einer anderen Etage. Ich kann meine Patienten im Wartezimmer schon hören. Das kann zu größeren HNO-Problemen führen.

Aber wie verkneife ich mir das Räuspern, wenn dieser Reiz nicht aufhören will?

Ein kurzer Hustenstoß wäre besser, damit befördert man den Schleim heraus. Man muss sich das erst einmal angewöhnen. Sich selbst dabei zu ertappen, wieder räuspern zu wollen, ist schon der erste Schritt auf dem Weg der Besserung.

Es gibt Berufe wie Lehrer, da muss man täglich viel reden. Wie können sie ihr wichtigstes Werkzeug pflegen?

Viel trinken und räuspern vermeiden, das ist die halbe Miete. Lassen Sie keine langen Durststrecken zu, wenn man Durst entwickelt, ist es meistens schon zu spät. Halten Sie die Schleimhäute feucht, am besten mit Wasser, auch unterwegs. Salbei- und Kamillentee sollte man erst bei einer Entzündung der Atemwege trinken, dann bitte nicht zu heiß. Alkohol und Koffein wiederum entziehen dem Körper zusätzlich Wasser, das sollte man durch noch mehr Wasser ausgleichen. Und bitte keine heiße Milch mit Honig, das ist ganz schlimm, ich musste das als Kind immer trinken, als ich krank war. Milch führt nur zu weiterer Verschleimung.

Die Heizung trocknet im Winter die Raumluft aus. Das kann nicht gesund sein. . .

Genau. Befeuchten Sie die Luft, in dem Sie ein feuchtes Geschirrhandtuch auf die Heizung legen, so können die Schleimhäute davor bewahrt werden auszutrocknen. Klimaanlagen sollten nicht direkt ins Gesicht blasen.

In der Erkältungszeit sind Sie sicher ein gefragter Ansprechpartner, oder?

Nein, in der Logopädie geht es ja nicht nur um die Stimme. Ein Großteil meiner Patienten sind Kinder im Vorschulalter, deren Sprachentwicklung zu fördern ist. Kinder sprechen ja nicht automatisch das Wort "Streichholzschächtelchen" richtig aus. Meine Bitte an Eltern in den Weihnachtsferien: Spielen Sie Brett- und Kartenspiele, lesen Sie aus Büchern vor und unterhalten Sie sich über die Handlung. Kinder imitieren die Aussprache der Erwachsenen. Auch deshalb war das Homeschooling schlecht. Denn ein Kind kann sich am besten von einer realen Person, einem Vorbild etwas abschauen, über Videos ist dieser Lerneffekt sehr gering.


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Da werden diese Digital Natives begeistert sein . . .

Trotzdem plädiere ich dafür, Tablet und Fernsehen beiseite zu lassen und traditionelle Dinge zu tun: sprechen und singen. Singen gibt Selbstbewusstsein und in dem Lied "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" spielt man mit Sprache über Reime und das Ersetzen der Buchstaben.

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