DAV reagiert auf Kritik

Neumarkter Mountainbike-Trails: "Wird Zeit, Bedürfnisse anzuerkennen"

27.7.2021, 11:59 Uhr
Dem „Diavolo Snake Trail“ als Königstour der Neumarkter Mountainbike-Strecken steht eine teure Aufwertung bevor.

Dem „Diavolo Snake Trail“ als Königstour der Neumarkter Mountainbike-Strecken steht eine teure Aufwertung bevor. © Kevin Gudd

Als Angestellter der Deutschen Bahn müsste Philipp Kölbl, wie er selbst mit einem Augenzwinkern sagt, "abgehärtet sein" gegenüber Beschwerden jeglicher Art. Freilich sei man sich im zwölfköpfigen Planungsstab zur Realisierung der sogenannten "Jura-Trails" genauso der Tatsache bewusst gewesen, "dass wir verschiedene Interessensgruppen zusammenbringen müssen". Was nun aber teilweise an Vorwürfen auf den 33-Jährigen und seine Mitstreiter einprasselte, "prallt nicht einfach ab". Wiewohl "uns auch eine positive Welle der Bestätigung entgegenschwappt" und er einzelne harsch formulierte Internet-Kommentare in sozialen Netzwerken ignorieren könne, wundert sich Kölbl über "einen erstaunlichen Willen, Dinge zu verhindern, ohne sich mit Inhalten auseinanderzusetzen".


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Dabei räumt der Holzheimer, der das regelmäßige Mountainbiken seit knapp zehn Jahren als Ergänzung zur Leidenschaft für Bergsteigen und Bergwandern entdeckte, durchaus gewisse Defizite in der Kommunikation auf der eigenen Seite ein. "Vielleicht hätten wir den Jagdverband direkt involvieren und neben der Unteren Naturschutzbehörde den BN ins Boot holen sollen. Allerdings haben wir alle Familie, da sind die Kapazitäten für den ehrenamtlichen Einsatz begrenzt." Seit SPD-Sportreferent Günther Stagat im vergangenen August den Stein ins Rollen brachte, seien bereits "hunderte Stunden" in die rasant voranschreitenden Vorbereitungen investiert worden. Orientierung lieferte auch der Austausch mit Mountainbike-Initiativen in Freiburg und Treuchtlingen, die als erfolgreich gelten.

Nun steht Philipp Kölbl am Ortsende von Graßahof an der Abzweigung zum "Hunter-Trail", um das von der Stadt und der Unteren Naturschutzbehörde bewilligte Konzept noch einmal exemplarisch zu erläutern. Durch die anvisierte Befestigung von einem Teil der illegal bestehenden Strecken würde weder anderen Waldnutzern Raum weggenommen, noch zusätzliche Natur vereinnahmt. Vielmehr soll der Verkehr auf sieben Abschnitten mit einer Gesamtlänge von knapp acht Kilometern in sicherere Bahnen gelenkt werden. "Entgegen der Annahme, dass alle Mountainbiker am liebsten querfeldein fahren, bevorzugen sie soliden Untergrund und brauchen keine drei Meter breiten Pisten", verwendet werde ausschließlich Naturmaterial wie Bruchsteine zur Stabilisierung von Kurvenhügeln.

DAV-Projektleiter Philip Kölbl zeigt, wo und warum bestehende Streckenabschnitte mit Naturmaterialien befestigt werden sollen.

DAV-Projektleiter Philip Kölbl zeigt, wo und warum bestehende Streckenabschnitte mit Naturmaterialien befestigt werden sollen. © Kevin Gudd

Eine aufwendigere Maßnahme, auf die rund 75 Prozent der Baukosten von 130 000 Euro entfallen, ist lediglich am sogenannten "Diavolo Snake Trail" vorgesehen. "Das ist die Königstour in der Umgebung, bei der geübte Fahrer ein paar Sprünge machen können, wenn sie es krachen lassen wollen", erklärt Kölbl. Hier werde eine Profi-Firma diverse Holzelemente erneuern. Mit der Anlage verbindet der DAV durchaus die Hoffnung, über Technik-Kurse weiteren Nachwuchs zu gewinnen. Die Ausrichtung von Wettkämpfen indes "liegt uns fern" und sei allein aufgrund der Lage im Wasserschutzgebiet unzulässig.


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In der pauschalen Ablehnung des Vorhabens erkennt Kölbl vielfach ausgeprägte "Ängste vor Massentourismus", die er für "unbegründet" hält. An wenigen witterungsbedingt besonders geeigneten Tagen im Jahr zähle die attraktivste Route, so die Schätzungen von verschiedenen Szene-Größen, die sich im Projektteam einbringen, aktuell circa 200 Abfahrten. "Wir rechnen mit einem Anstieg um den Faktor 1,5 bis zwei, ohne dass der Infrastruktur dadurch die Überlastung droht. Es ist ja kein Geheimnis und legitim, dass die Stadt mit der Aufwertung durchaus touristische Zwecke verfolgt. Ich als Sportler finde es bereichernd, auf auswärtige Gäste zu treffen", berichtet Kölbl.

Die oberste Priorität, betont der Projektleiter, liege jedoch auf den einheimischen Belangen. Das beweist die Bereitschaft des DAV, für die Pflege der Trails - mehrheitlich gehören der Stadt die betroffenen Grundstücke - in Haftung zu gehen. Mehr als 20 private Waldbesitzer mussten dem Wildwuchs an Strecken bislang in Eigenregie hinterherräumen, hatten sich wohl deshalb den vorgeschlagenen Verträgen zur Übertragung der Verantwortlichkeiten aufgeschlossen gezeigt. "Es gab bereits einen Fall am Wolfstein, bei dem Stolperschnüre gespannt wurden. Ich werte das als Warnsignal, dass es fünf vor zwölf ist. Wenn sich keiner um die Strecken kümmert, wird die Situation irgendwann eskalieren", warnt Philip Kölbl.

Erhöhter Freizeitdruck durch Corona

Mit Blick auf den in Corona-Zeiten noch verstärkten Trend im Outdoor-Sektor würden die Trails einen wertvollen Beitrag zur Entzerrung der Besucherströme leisten und Konflikten vorbeugen. "Als ich meine ersten Runden gefahren bin, musste ich mich mit einer Wanderkarte begnügen. Da draußen sind nicht mehr nur ein paar verrückte Yuppies unterwegs, auf den Forstwegen wird es immer voller. Es wird Zeit, diese Bedürfnisse auch anzuerkennen." In Schwabach und Hersbruck sind ähnliche Entwicklungsprozesse angestoßen, am Nürnberger Schmausenbuck ist ebenfalls ein Trail-Park im Entstehen. Bestehende Bike-Parks in Ezelsdorf und am Moosweg in Neumarkt werden von Technik-Spezialisten befahren, nicht jedoch von Touren-Mountainbikern.

Zentraler Punkt beim Thema Sicherheit ist die vorgesehene Routen-Beschilderung, die ein Viertel des Budgets in Neumarkt ausmacht. So sollen Warnhinweise und natürliche Barrieren sensible Kreuzungen entschärfen. "Das zeigt ja auch nochmal, dass Mountainbiker keine rücksichtslosen Rambos sind und selbstverständlich bereit sind, für andere zu bremsen", sagt Kölbl. Kommt es dennoch zu Stürzen oder Verletzungen, gewährleistet die Ausweisung von nummerierten Rettungszonen einen schnellen Zugang von Rettungskräften.

Verbliebene Zweifel an der Transparenz möchte der DAV in den nächsten Wochen in Beratungen mit dem Jagdverband und dem BN ausräumen. "Wir hören uns fundierte Gegenargumente auch von privater Seite gerne an", betont Philip Kölbl, der zum aktuellen Zeitpunkt zumindest eine Teilöffnung von überarbeiteten Routen noch in diesem Herbst für realistisch hält. Mit Zeitplänen, die fortlaufend angepasst werden müssen, kennt sich ein DB-Mitarbeiter bestens aus.

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