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Premiere im Stockschießen: Es fehlte der Besen-Beschleuniger

Ex-Amateurfußballer Kevin Gudd haderte mit dem Timing - 06.11.2020 12:24 Uhr

Über die dynamische Haltung für die B-Note hinaus fehlte es Sportredakteur Kevin Gudd an Timing beim Schwung.

06.11.2020 © Wolfgang Zink


Endlich sollte sich die Erfahrung eines Fernsehzuschauers auszahlen, der bei Olympischen Winterspielen gerade auch am unterschätzten Nebenprogramm Gefallen fand. Vom Curling ist es gedanklich nur ein kleiner Schritt zum im Alpenraum stärker verbreiteten Eisstockschießen.

In beiden Varianten geht es im Wechsel mit einer vierköpfigen gegnerischen Mannschaft darum, das eigene Spielgerät möglichst nahe an die Zielmarke zu befördern. "Wer sich auf Kegeln oder Bowling versteht, hat schon einmal das richtige Gespür", sagt mir Thomas Vierthaler, der mit der gemischten Formation des ESC Berching 2012 deutscher Pokalsieger geworden ist.

Routinier Thomas Vierthaler beobachtete auch die entglittenen die Versuche geduldig.

05.11.2020 © Wolfgang Zink


Da Geduld und Präzision nie zu meinen Stärken als lauffreudiger Ballsport-Allrounder gehörten, waren in meinem Fall also die übliche Streuung zu erwarten und die sommerliche Variante auf Asphalt genau der richtige Einstieg. Obwohl ich mich auf Eis und Schlittschuhen wohl fühle, bot der raue Untergrund zumindest einen stabilen Stand. Die vermeintliche Erleichterung ließ sich jedoch nicht auf den Schwung übertragen. Während auf der Bahn nebenan die Geschosse im Sekundenabstand klackernd aufeinanderprallen, kostet es den koordinativ eingeschränkten Ex-Amateurfußballer bereits große Mühe, die notwendige Balance in der Ausgangsposition zu finden.

Den linken Fuß versetzt nach vorne gerichtet, soll das Gewicht auf dem hinteren Standbein lasten, das gleichzeitig die Startlinie berühren muss. "Das Handgelenk ist fest. Die Geschwindigkeit kommt nicht aus der Kraft, sondern dem Timing beim Loslassen", erklärt Routinier Thomas Vierthaler, der selbst nach mehreren Hundert Wiederholungen auf einem siebenstündigen Turnier keine muskulären Beschwerden kennt. Am Abend sei der Belag bei kalten Temperaturen auch noch schneller.

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Präzisionssport beim Stockschießen

Weder rohe Gewalt, noch zögerliche Vorsicht führen zum Ziel. Worauf es beim Stockschießen ankommt, zeigten die Protagonisten beim jährlichen Turnier des TSV Fischbach, der 2015 seinen 40. Geburtstag feierte.


Doch mein Premierenversuch mit dem 3,7 Kilogramm schweren und im Schnitt mehr als 350 Euro teuren Stock stoppt schon auf halbem Weg zum knapp 25 Meter entfernten Feld ab. Beim Curling auf Eis wäre der massive Einsatz eines Besens nötig gewesen, dessen Reibungshitze für Beschleunigung sorgt und langsame Spielsteine noch ans gewünschte Ziel bringt. Meine Früh-Bremsung "kostet normalerweise eine Maß Bier", scherzt indes der Experte, und trifft damit den Nerv eines jeden Wettkampftypen.

Fotograf in Gefahr

Ich nehme mir vor, die Vorsicht abzulegen und den inneren Rambo herauszuholen. Prompt gerät der zweite Anlauf zum verrissenen Querschläger, der kurz durch die Luft wirbelt und gerade noch vor dem verdutzten Fotografenkollegen zum Stehen kommt. Erste Anzeichen der Verzweiflung machen sich breit, aber emotionale Ausfälle verbietet eine Etikette, die jedem Golfplatz zur Ehre gereicht. Alkohol oder Nikotin zur Nervenberuhigung sind selbst beim lockeren Training nahezu tabu.

Ich flüchte mich in eine andere Grauzone der Regeln, lasse meinem vorher beinahe einbetonierten Standfuß etwas mehr Spielraum, um die Vorwärtsbewegung des Oberkörpers zu unterstützen. Die gefühlte zehnte Runde bringt tatsächlich den befreienden Durchbruch. Noch mitten im Jubel über das Erfolgserlebnis rauscht plötzlich der nächste Schuss von Thomas Vierthaler an mir vorbei, befördert mein Werk ins Aus und die Zielmarke (Daube) in eine neue Position. Ein alltäglicher Spielzug. Bei noch komplexeren Konstellationen, in denen das Spielgerät einen Bogen beschreiten muss, sprühen sogar manchmal die Funken.

Nach einem halben Dutzend zittrigen Landungen im Zielbereich mit der gewöhnlichen Methode frage ich Thomas Vierthaler nach meinem Entwicklungsstand. "Im Mannschaftsbetrieb ist es Standard-Voraussetzung, regelmäßig ins Haus zu treffen." Im Fernsehen sieht das irgendwie einfacher aus.

Bisher in der Serie "Lokalsport-Redakteure stellen sich vor" erschienen:

Folge 1 : Martin Schano, der an einem Fitness-Bootcamp teilnimmt.

Folge 2 : Dominik Mayer, der die Boxhandschuhe anzieht.

Folge 3: Michael Fischer, der den Tennisschläger schwingt.

Folge 4: Mathias Hochreuther, der am Schießstand ein Auge zudrückt

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