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Schwimmen im See: Expertin gibt Tipps zum Training

In Naturgewässern sind die Bedingungen anspruchsvoller als im Freibad-Becken - 11.05.2021 06:00 Uhr

Das Schwimmen im Freiwasser wie dem Schulsee bei Mölln in Schleswig-Holstein ist für regelmäßige Hallenbad-Gäste eine Umstellung.

10.05.2021 © Archivfoto: Jo Keindl


Frau Zunner, Sie haben sich bereits Ende April erstmals in Ihren Lieblings-Weiher bei Neumarkt gestürzt. Bekommt man da keinen Kälte-Schock?

Astrid Zunner: Das Wasser hatte etwa zehn Grad. Natürlich war das gewöhnungsbedürftig und kostet Überwindung. Gerade im Gesicht beziehungsweise an Händen und Füßen fühlt es sich eisig an. Aber mir bleibt im Moment nichts anderes übrig, um in der Übung zu bleiben und ich trage einen Neoprenanzug. Ohne den wäre kein Training möglich, weil die Muskulatur viel zu schnell auskühlt. Wie es Eisschwimmer überhaupt ein paar Minuten aushalten, ist mir ein echtes Rätsel.


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Welcher Neoprenanzug ist am besten geeignet?

Zunner: Es gibt verschiedene Modelle aus unterschiedlichen Materialien, die den Körper teilweise komplett von der Flüssigkeit abisolieren. Beim Surfen ist so ein Trockenanzug von Vorteil. Manche Zuschnitte wiederum geben besseren Auftrieb und sind deshalb für Anfänger interessant. Bei mir ist der Anzug am Ärmel dünner. Damit fühlte ich mich in der Bewegung freier, habe dafür weniger Auftrieb. Man kann für diese Anzüge sehr viel Geld ausgeben, preislich sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Bei 100 Euro kann ein Neuling aber wenig falsch machen. Ab 23 Grad ist ein Neoprenanzug nicht mehr zu empfehlen.

Bei ihrem ersten Triathlon 1997 kam Astrid Zunner als Vorletzte ins Ziel. Vor allem mit der Schwimm-Disziplin wurde die heute 47-Jährige anfangs nicht warm, doch über die Jahre reifte sie zu einer bestechenden Wettkämpferin, wurde 2019 Vize-Europameisterin der Altersklasse 45 über die Olympische Distanz.

10.05.2021 © Foto: Zunner/privat


Zurück zum Start im frischen See. Wenn ich ganz schnell loslege, müsste mir doch automatisch warm werden?

Zunner: Grundsätzlich würde ich im Training mit einem gemäßigten Tempo beginnen. Nach so langer Pause ist der Muskelkater sowieso vorprogrammiert. Man ist die Belastung nicht mehr gewohnt und sollte sich darauf konzentrieren, die Technik wiederzufinden. Intensive Intervalle sind eher etwas fürs Beckentraining.

Im See gibt es keine Bahnen zum Zählen. Wie lege ich fest wie lange ich schwimme?

Zunner: Ein vernünftiger Richtwert für geübte Schwimmer zum Einstieg in die Saison sind 1000 Meter oder 45 bis 60 Minuten. Die zurückgelegte Strecke wird von meiner GPS-Uhr gemessen. Inzwischen weiß ich aus Erfahrung, dass die Entfernung zum gegenüberliegenden Ufer genau 500 Meter beträgt.

Wer krault, verliert im trüben Wasser leichter die Orientierung. Gibt es da einen Trick?

Zunner: Man kommt nicht darum herum, immer wieder den Kopf aus dem Wasser zu heben. Bei mir läuft das ritualisiert nach fünf oder sechs Armzügen ab. Darüberhinaus ist es hilfreich, sich auf einen markanten Punkt am Ufer nahe der Wasseroberfläche zu fixieren und diesen anzusteuern. Beim Wettkampf im Kanal ist es meistens einfach die Wende-Boje. Trotzdem sollte man sich vorher zur Vermeidung von Hektik bewusst machen, dass das menschliche Auge beim Anblick der Umgebung die Distanzen aus der Wasserperspektive unterschätzt.

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Stichwort Sicherheit: Einige tragen im See extra bunte Badekappen, um für Boote und gegebenenfalls Rettungskräfte sichtbar zu sein. Ist das übertrieben?

Zunner: Angst bringt einen nicht weiter. Aber ein gesunder Respekt vor dem Gewässer, je nach dem wie tief, ist bei mir durchaus vorhanden. Zum Beispiel ziehe ich ein am Bauchgurt befestigtes Pool-Kissen in Neonfarben hinter mir her. Das verschafft mir eine gewisse Ruhe, falls ich Atemprobleme bekäme. Gebraucht habe ich das Ding noch nie. Anfänger sollten unbedingt zunächst in Ufernähe bleiben.

Zum Schluss noch eine Frage für echte Fans. Wie lange dauert es vom ersten Training bis zur Wettkampf-Form?

Zunner: Das hängt total vom persönlichen Typ und dem Anspruch ab. Bei mir sind es geschätzt sechs Wochen, bei mindestens drei Einheiten pro Woche.

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