Langjährige Nummer zwei im Tor

"Belohnt worden": Wie Fürths Marius Funk sein erstes Bundesliga-Spiel erlebte

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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4.10.2021, 06:00 Uhr

"Wenn man die Chance bekommt, will man sie natürlich auch nutzen": Das tat Marius Funk am Freitag, auch wenn er drei Tore kassierte. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Viele neue Freunde hat sich Marius Funk am Freitagabend nicht gemacht. Dabei war dieses Auswärtsspiel des Kleeblatts beim 1. FC Köln ein ganz besonderes für den Fürther Torhüter. Nach dem Mittagessen überraschte ihn Torwarttrainer Christian Fiedler im Hotel mit der Nachricht, dass er in ein paar Stunden sein erstes Bundesligaspiel machen werde. Als er dann um 20.30 Uhr tatsächlich auf dem Rasen stand, da hatten die 40.000 Kölner Fans schnell ihren Feind ausgemacht.

In einigen Situationen ließ sich Funk ein bisschen viel Zeit mit seinen Abstößen, es war aber kein Zeitspiel, auch wenn seine Mannschaft bereits nach sieben Minuten mit 1:0 führte. "Ich wollte Ruhe in unser Spiel reinbekommen", sagte der 25-Jährige später. Die Menschen in Müngersdorf sahen das anders, pfiffen Funk fortan bei jedem Ballkontakt aus und beleidigten ihn sogar mehrmals. Verstehen konnte Marius Funk das nicht, "ich habe es nicht so extrem wahrgenommen", sagt er. "Ich fand es auch ein bisschen übertrieben vom Schiedsrichter, mir so früh schon eine Ansage zu machen."

Von der bisweilen hitzigen Atmosphäre im ausverkauften Stadion ließ sich Marius Funk aber nicht beeindrucken. Er spielte einfach sein Spiel, schlug die Abstöße fast immer genau zu seinen Mitspielern und rettete das Kleeblatt kurz vor der Pause mit einem starken Reflex. Der Fürther Torhüter war von der ersten Sekunde an da - obwohl er in den vergangenen fünf Jahren nur fünf Ligaspiele gemacht hatte. "Wir sind alle Profifußballer, man bereitet sich jede Woche auf ein Spiel vor, egal ob man spielt oder nicht", so Funk. "Es kann so viel passieren im Fußball. Wenn die Chance kommt, will man sie natürlich auch nutzen."

Stark trainiert, seit Monaten schon

Das hat er am Freitagabend getan. "Ich fand, dass er ein sehr gutes Spiel gemacht hat - trotz der drei Gegentore", sagte Stefan Leitl. Der Fürther Cheftrainer hatte mit seinen Kollegen bereits in der vergangenen Woche an einen Torhüterwechsel gedacht, wollte aber zunächst die Trainingswoche abwarten. In der präsentierte sich Funk, die langjährige Nummer zwei, abermals sehr stark - wie schon in der Sommervorbereitung, als er sich mit Sascha Burchert ein langes und enges Rennen um die Nummer eins lieferte - und knapp verlor.

Burchert machte seine Sache in den ersten sechs Spielen nicht schlecht, aber auch nicht überragend. "Wir waren nicht unzufrieden mit Saschas Leistungen", sagte Leitl, "ihm hat aber auch schon in der letzten Saison teilweise das Matchglück gefehlt, dass er den ersten Ball mal hält und uns damit im Spiel hält." Mit dem Wissen, einen sehr guten Ersatz zu haben, fiel die Entscheidung, es mit Funk zu versuchen. "Wir hatten das Empfinden, dass er dran ist", erzählte Leitl.

Marius Funk jedenfalls war glücklich, dass sich sein Eifer endlich ausgezahlt hat. Die Entscheidung vor Saisonbeginn war schwer für ihn, „aber das muss man akzeptieren“, sagt er. „Das hab ich getan und einfach weiter Gas geben. Heute bin ich dafür belohnt worden.“

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