Timothy und Malik sorgen für Aufsehen

Die Tillman-Brüder: endlich vereint in der Bundesliga

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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11.1.2022, 12:10 Uhr
Jubel mit dem Weltfußballer: Malik Tillman (re.) und Robert Lewandowski nach dem 1:0 gegen Mönchengladbach.

Jubel mit dem Weltfußballer: Malik Tillman (re.) und Robert Lewandowski nach dem 1:0 gegen Mönchengladbach. © via www.imago-images.de, NN

Lichtblick im Abstiegskampf: Timothy Tillman (li.) im Laufduell mit dem Stuttgarter Roberto Massimo.

Lichtblick im Abstiegskampf: Timothy Tillman (li.) im Laufduell mit dem Stuttgarter Roberto Massimo. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Auch die Mutter kann ihr Glück mitunter nicht fassen und lässt in den sozialen Netzwerken den Rest der Welt daran teilhaben. So wie Mitte Dezember des vergangenen Jahres. „…und schon wieder ein besonderer Moment bei uns“, schrieb sie in Facebook, darunter ein Bild der Nummer 40. Hashtag: „happy“.

Beim 5:0 in Stuttgart hatte ihr zweitgeborener Sohn Malik sein Bundesligadebüt geben dürfen, am Freitag gegen Mönchengladbach tauchte der 19-Jährige erstmals in der Startelf des FC Bayern München auf. Wohl auch ein bisschen der Personalnot geschuldet, aber immerhin. Heimspiel in der Arena. Wahnsinn.

Daran erinnern wird sich Malik Tillman, wie sein vier Jahre älterer Bruder Timothy in Nürnberg geboren und aufgewachsen, eher mit gemischten Gefühlen. Es lief nicht so, Endstand 1:2. Sein Trainer ist trotzdem Fan des mittlerweile ungemein kräftigen Angreifers. „Ich würde ihn auch in schwierigen Situationen bringen“, sagte Julian Nagelsmann bereits Mitte Dezember über den „toptalentierten Stürmer, er hat unglaubliche Qualitäten im Torabschluss.“

Als Hack schimpfte

Das könnte auch an der Fünf-Sterne-Ausbildung im Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern liegen, die er seit dem Sommer 2015 durchlief. Aber wohl nur, weil die Münchner unbedingt Timothy haben wollten und für den damaligen B-Jugend-Spieler der Spielvereinigung Greuther Fürth angeblich eine halbe Million Euro Ablöse bezahlten. Der kleine Malik durfte auch mit.

Also zogen die Tillmans nach München, eine alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Buben. Anja Tillman verschafften die Bayern einen Job, Timothy und Malik eine Perspektive, von der andere Nachwuchsfußballer nur träumen können. Auch wenn sie in Fürth polterten ob der Geschäftspraktiken des Branchenriesen. „Timothy Tillman war bei uns das größte Talent seit 30 Jahren“, schimpfte der damalige Präsident Helmut Hack, nannte seinen Weggang gar „eine Katastrophe für den Verein“.

Gegen das Rundum-sorglos-Paket der Bayern konnte Hack nicht viel ausrichten; dass Timothy vier Jahre später geläutert nach Fürth zurückkehrte, gab ihm im Nachhinein aber recht. Geld ist offenbar doch nicht alles, obwohl Timothy in München früh nach den Sternen griff. Er war so gut, dass sich sogar der FC Barcelona für ihn interessierte. „Das war schon etwas konkreter“, erzählte er im Sommer 2018, nachdem ihn der 1. FC Nürnberg für ein Jahr geliehen hatte für sein Bundesliga-Abenteuer.

Köllner und das Projekt

Sportpark Valznerweiher statt La Masia, wohin ihn Uli Hoeneß einst nicht mal zur Besichtigung hatte ziehen lassen: Irgendetwas ist dann wohl schiefgelaufen in Timothys Karriere. Beim FC Bayern konnte er sich trotz teils spektakulärer Auftritte in der U19 und U21 selbst mittelfristig jedenfalls nicht durchsetzen. Beim Club wollte er wieder Schwung holen, mit einem alten Bekannten als Anschieber. „Es wird ein spannendes Projekt mit ihm werden“, sagte Michael Köllner, der ihn bereits seit der D-Jugend kannte und in der B-Jugend der Weiß-Grünen sein Trainer war.

Im Alter von neun Jahren hatte ihn der 1. FC Nürnberg nach einem Talentsichtungstag wieder weggeschickt, was ihm weh tat. Sein Herz hing am Club. Bei einem Vorbereitungsspiel in Feucht gegen Trondheim durfte er mal als Einlaufkind mit auf den Platz, in seinem Schrank lag ein Vittek-Trikot. Das er heute bestimmt nicht mehr anziehen würde.

Auf die nicht nur für ihn enttäuschend verlaufene Abstiegssaison 2018/19 mit Nürnberg und mehr Tiefen und Höhen folgten mit Fürth zwei Zweitligaspielzeiten, in denen Timothy langsam wieder zu früherer Stärke fand. Mittlerweile ist er Stammkraft in der Ersten Liga und hat unter anderem Julian Green verdrängt; vier Scorerpunkte können sich sehen lassen, nur Branimir Hrgota (sieben) und Jamie Leweling (fünf) haben aktuell mehr. Beglücken konnte er zwischendurch auch seine Jugend-Vereine ASV Zirndorf und 1. SC Feucht mit einer ordentlichen Ausbildungsentschädigung.

Nagelsmann schwärmt

Es scheint, als habe Timothy erst lernen müssen, mit Rückschlägen und Enttäuschungen richtig umzugehen, von denen es in den letzten Jahren doch einige gab. Das gilt auch für den jüngeren Bruder, der sich nach einem im Oktober 2020 erlittenen Kreuzbandriss erst wieder herankämpfen musste. Aber jetzt noch stärker zu sein scheint als vor seiner Verletzung.

„Malik ist ein Spieler, der seinen Weg machen wird“, glaubt Julian Nagelsmann. Und am 20. Februar erstmals auf Timothy treffen könnte. In der Münchner Arena. Es wäre der nächste besondere Moment für die Familie Tillman.

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