Verletzung! Fränkische Sprinterin bangt um Olympia

4.6.2021, 15:04 Uhr
Explosiv katapultiert sich Amelie-Sophie Lederer aus dem Startblock. Aktuell unmöglich, eine Muskelverhärtung im Oberschenkel quält die Ornbauerin seit einigen Wochen.

Explosiv katapultiert sich Amelie-Sophie Lederer aus dem Startblock. Aktuell unmöglich, eine Muskelverhärtung im Oberschenkel quält die Ornbauerin seit einigen Wochen. © Foto: Kiefner Sportfoto

Es hätte das wichtigste Wochenende ihrer Karriere werden können. Die Tage des 5. und 6. Juni 2021 sollten Amelie-Sophie Lederer den Weg zu den olympischen Spielen in Tokio ebnen. Mit einem starken Auftritt bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft in Braunschweig hätte Lederer ihre Aussichten auf eine Olympia-Nominierung entscheidend verbessern können. Theoretisch. Praktisch wird die Sprinterin das Wochenende im gut 600 Kilometer entfernten München verbringen.


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Dort, wo sie seit Jahresbeginn für die LG Stadtwerke München an den Start geht. "Ich habe eine neurogene Muskelverhärtung im rechten hinteren Oberschenkel", berichtet die 27-Jährige über ihre Diagnose. Direkt nach der Hallensaison traten die Beschwerden erstmals auf. "Aktuell ist kein schneller Sprint möglich", sagt sie. Die Schmerzen im Bein sind zu groß, bei explosiven Bewegungen macht der Muskel zu.

Drei Startplätze für Tokio

Einen guten Zeitpunkt für Verletzungen gibt es nie, im Leistungssport schon gar nicht. Dass Lederer gerade jetzt zum Nichtstun verdammt ist, ist trotzdem besonders bitter. In Braunschweig hätte sie noch einmal von sich reden machen können. Im direkten Duell mit der deutschen Sprint-Elite um Athletinnen wie Rebekka Haase, Gina Lückenkemper oder Yasmin Kwadwo. Und sich damit auch einen Platz auf dem Zettel von Sprint-Bundestrainer Ronald Stein sichern können, der bis Ende Juni entscheiden wird, welche Sprinterinnen die deutschen Farben in Tokio vertreten dürfen.

Nur drei Startplätze gibt es für die Einzel-Wettbewerbe über 100 Meter und 200 Meter. Ein vierter Startplatz steht für die Sprintstaffel zur Verfügung. Vergangene Woche hat Lederer mit ihrem Trainer in der Schweiz verbracht. Da wurde beiden klar, dass es nicht klappen wird mit einem Start in Braunschweig. "Ein bisschen Training war zwar möglich, aber eben nicht so, wie wir es geplant hatten", sagt die gebürtige Gunzenhäuserin. Schon am 21. Mai, bei einem internationalen Meeting in Dessau, deutete sich an, dass der Oberschenkel zum Problem werden könnte. Entsprechend mau waren Lederers Ergebnisse. Ganz anders noch zu Beginn des Jahres, als die Ornbauerin überraschend Deutsche Meisterin über 60 Meter wurde. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 7,12 Sekunden.

Plötzlich reiste Lederer als einer der Favoritinnen zur EM im polnischen Torun – und schied dort im Halbfinale aus. Eine Enttäuschung? Nein, sagt sie. "Die Zeit war natürlich nicht so gut, im Großen und Ganzen war ich aber zufrieden. Für mich war das die erste große Einzelmeisterschaft auf internationaler Ebene." Als amtierende deutsche Meisterin stand sie dort gleich im Rampenlicht. Interviewanfragen waren häufiger als sonst, die Blicke der Konkurrentinnen kritischer. "Es ist nicht so einfach, dem Druck standzuhalten, wenn man als Favoritin antritt", gibt Lederer zu.

"Muss sehen, wie mein Körper reagiert"

Diese Situation müsste sie in Tokio nicht fürchten. Der deutschen Hallenmeisterin käme dort nur die Rolle der ambitionierten Außenseiterin zu. Falls sie überhaupt nominiert wird. Als Olympia-Norm hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) 11,15 Sekunden über 100 Meter gesetzt. Über 200 Meter gilt es, 22,80 Sekunden zu unterbieten. So schnell war Lederer noch nie. Allerdings gibt es auch nach der Deutschen Meisterschaft noch ein paar Wettkämpfe vor Ende des Nominierungszeitraums. "Ich muss sehen, wie mein Körper auf die Behandlung reagiert, aber ich bin optimistisch, im Juni noch laufen zu können", sagt sie.

Es ist allerdings fraglich, ob sie kurz nach ihrer Verletzungspause, die vom DLV geforderten Zeiten ernsthaft angreifen kann. Doch auch wenn das nicht klappen sollte, ist der Traum von Olympia vielleicht doch noch nicht ganz vorbei. "Es kommt auch darauf an, wie viele andere Mädels die Norm schaffen", sagt Lederer. Bisher ist das in diesem Jahr einzig Lisa Mayer gelungen.

Noch gibt es also Hoffnung für Lederer, die momentan mit intensiver Physiotherapie gegen ihre Verletzung kämpft. Ihrer Enttäuschung über die Situation will sie nicht zu viel Raum geben: "So ist der Sport. Ich muss es nehmen, wie es ist." Wichtige Tage für Lederer könnte es schließlich auch noch ab dem 31. Juli geben. Dann beginnen im Nationalstadion von Tokio die Sprintwettbewerbe.


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