Zweiter Anlauf der Ninja Warriors aus Postbauer-Heng

24.10.2020, 19:45 Uhr
Björn Graul hangelt sich mit Kraft und Geschick durch ein Hindernis im Halbfinale der sportlichen TV-Show Ninja Warrior. Der 21-Jährige Student aus Kemnath hat seine akrobatischen Fähigkeiten dem Training mit Frank Schmidpeter zu verdanken.

Björn Graul hangelt sich mit Kraft und Geschick durch ein Hindernis im Halbfinale der sportlichen TV-Show Ninja Warrior. Der 21-Jährige Student aus Kemnath hat seine akrobatischen Fähigkeiten dem Training mit Frank Schmidpeter zu verdanken. © Foto: Markus Hertrich/TVNOW

Herr Schmidpeter, was lief eigentlich in Ihrer Jugend falsch, dass es so ein ausgefallenes Hobby braucht?
Frank Schmidpeter: Da ich aus einer Triathlon-Familie komme, sind es möglicherweise die Gene. In meiner Schulzeit bin ich lange geschwommen und erst im Studium in die Akrobatik reingerutscht. Da ich die Ninja-Warrior-Wettkämpfe wiederum über Internet-Videos aus den USA schon kannte, als die Sendung 2016 auch nach Deutschland kam, hatte ich sofort Lust mitzumachen. Aber mit dem richtigen Training habe ich erst Ende 2018 begonnen, als die Einladung zum Casting sicher war.
Björn Graul: Für mich ging es tatsächlich im Akrobatik-Kurs von Fränky (Frank Schmidpeter; d.Red.) los. Früher habe ich Tennis und Volleyball gespielt, war dann stärker im Freizeitsportbereich aktiv, vor allem beim Bouldern.

 Welche Voraussetzungen und Fähigkeiten sind besonders hilfreich?
Frank Schmidpeter: Je mehr Körpergefühl bei einer Übung gefragt ist, desto besser kommt mein akrobatisches Können zum Tragen. Allerdings habe ich bei der ersten Teilnahme recht schnell meine Schwächen erkannt, die in der Griffkraft- und Griffausdauer liegen. Ein halbes Jahr Vorbereitung reichte nicht aus (für seinen neuerlichen Versuch schwitzte er fünf mal pro Woche jeweils zwei bis drei Stunden auf der Anlage in Erlangen; d.Red.).
Björn Graul: Für mich ist die Finger- und Oberkörperkraft zentral, wobei immer wieder unterschiedliche Anwendungsformen verlangt werden. Du lernst mit jeder Herausforderung dazu. In amerikanischen Parcours gibt es mehrere hundert Varianten.

Im deutschen Fernsehen hat der Zuschauer mitunter den Eindruck, dass Kandidaten an vermeintlich einfachen Hindernissen scheitern.
Björn Graul: Es gibt manchmal diesen Typ Fitnessstudio-Muskelpaket, dem fehlt es durch sein Gewicht an der nötigen Feinmotorik.

Wie steht es um den Faktor Nervosität?
Björn Graul: Die Aufregung war mit ausschlaggebend, dass ich bei meinem ersten Anlauf früh durchgefallen bin. Meine Muskulatur war irgendwie zu verkrampft. Du hast ja vorher schon den ganzen Tag einen höheren Puls, weil du dich auf keinen Fall blamieren willst. Ich versuche inzwischen bewusster, vorab den Druck rauszunehmen und den Auftritt zu genießen.
Frank Schmidpeter: Das Adrenalin ist eigentlich etwas Gutes, weil es die Leistung steigert. Dazu braucht es jedoch enorme Konzentration. Ich höre deshalb zum Aufwärmen immer die gleiche Musik und gehe dann im Sitzen am Boden die einzelnen Stationen in Gedanken durch.

Ist diese Art abenteuerlicher Freizeitbeschäftigung mit den pädagogischen Methoden Ihrer Arbeit als Streetworker vereinbar, Herr Schmidpeter?
Frank Schmidpeter: Auf jeden Fall. Im sportlichen Feld können Jugendliche ihre Grenzen ausloten, überwinden Ängste, im Gegenzug erhöht sich ihre Frustrationstoleranz. Das System Ninja Warrior spricht den Drang zur individuellen Selbstentfaltung in der heutigen Generation vielleicht sogar besonders an. Die Disziplinen sind so vielfältig, dass jeder irgendwo glänzen kann. Der Ausflug in die Erlanger Halle gehört zu den beliebtesten Angeboten beim Kinderferienprogramm in Postbauer-Heng.
Björn Graul: Bei mir hat sich schon fast eine Sucht entwickelt. Der Sport hat mich fest im Griff. Das geht aber über den Reiz der Fernsehshow hinaus. Hinter den Kulissen triffst du die Szene-Cracks mal ganz privat. Ich mag das Gemeinschaftsgefühl, den offenen Austausch von Tipps statt Konkurrenzverhalten.

Wie steht es um die Überlegungen, ein eigenes Trainingszentrum zu eröffnen?
Björn Graul: Da sind wir tatsächlich noch auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie. Finanziell würde so eine professionelle Einrichtung allerdings schnell ins Geld gehen bei bis zu 20 000 Euro pro Gerät. Daher setzen wir auf kostengünstigeren Eigenbau. Eine einfache Klimmzug- oder Reckstange reicht zum Beispiel, um eine wichtige Griff- und Schwungtechnik einzustudieren.

Dennoch eine riskante Investition. Schließlich könnte der Trend bald abebben?
Björn Graul: Davon kann keine Rede sein. Im Gegenteil, der Spaß verbreitet sich in Deutschland rasant, überall entstehen neue Anlagen. In Erlangen gibt es inzwischen einen Verein.
Frank Schmidpeter: Und in Europa eine Ligawertung, die Ergebnisse von Einzelstartern bei diversen Wettbewerben verrechnet. Insgesamt ist die Wahrnehmung verändert, wir sind nicht mehr die belächelten Exoten in Kostümen.

Keine Kommentare