Leseraktion im Verlag Nürnberger Presse

Krankenversicherung: Wann Sie wechseln und wie Sie sparen können

Nicole Netter, Redakteurin Politik und Wirtschaft
Nicole Netter

Politik und Wirtschaft

E-Mail zur Autorenseite

27.11.2021, 06:00 Uhr
Wo man in Deutschland krankenversichert ist, kann man oft nicht selbst entscheiden. 

Wo man in Deutschland krankenversichert ist, kann man oft nicht selbst entscheiden.  © imago images/Christian Ohde, NN

Ich bin Beamter und möchte wieder in die gesetzliche Kasse zurück. Ist das möglich?
Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist ausgeschlossen, solange jemand Beamter ist. Ab 55 Jahren kommen Beamte auch dann nicht mehr in die Krankenkasse zurück, wenn sie den Staatsdienst verlassen und eine versicherungspflichtige Anstellung finden.

Ich bin Ende 70 und privat versichert. Der Beitrag wird mir zu teuer. Kann ich die Gesellschaft wechseln? Mein Bekannter hat einen günstigeren Tarif.

Ein Wechsel ist nicht empfehlenswert und wäre in Ihrem Alter voraussichtlich auch gar nicht mehr möglich. Sie haben aber die Möglichkeit, innerhalb Ihrer Gesellschaft in einen gleichartigen, aber günstigeren Tarif zu wechseln. Das steht Ihnen nach Paragraph 204 Versicherungsvertragsgesetz VVG zu. Dabei bleiben Ihnen die Altersrückstellungen erhalten, die Sie bei einem Wechsel der Versicherungsgesellschaft in der Regel verlieren würden. Auch eine erneute Gesundheitsprüfung ist nicht erforderlich – es sei denn, der neue Tarif enthält Mehrleistungen. Diese können Sie aber ausschließen. Weiteres Sparpotenzial liegt im Verzicht auf Leistungen oder in der Erhöhung des Selbstbehaltes. Auch der Standardtarif ist möglich. Er entspricht in etwa dem Leistungsumfang der gesetzlichen Kassen. Machen Sie einen Termin und lassen Sie sich die Varianten schriftlich geben.

Mein Bekannter meinte, man könne seine Alterungsrückstellungen mitnehmen, wenn man die Gesellschaft wechselt. Stimmt das?
Antwort: Laut einer Gesetzesänderung von 2009 lassen sich Alterungsrückstellungen tatsächlich mitnehmen. Aber der Vertrag darf nicht vor 2009 abgeschlossen worden sein. Beachten Sie auch, sich vor einem Wechsel ausrechnen zu lassen, ob sich dieser lohnt.

Ich war bisher selbstständig und werde demnächst eine Festanstellung annehmen. Was wird aus der privaten Krankenversicherung?
Das ist abhängig von Ihrem Alter und Ihrem Bruttoverdienst. Sind Sie unter 55 Jahre alt und verdienen weniger als 5.362,50 Euro im Monat, werden Sie Pflichtmitglied einer gesetzlichen Kasse. Sind Sie älter als 55 oder verdienen Sie mehr als 5.362,50 Euro, bleiben Sie privat versichert. Die Zahlen gelten auch für 2022.

Ich bin selbstständig. Mein privates Versicherungsunternehmen verlangt für 2022 in der Pflegeversicherung einen Corona-Zuschlag. Ist das rechtens?
Ja, das ist es. Dieser Zuschlag gilt für zwölf Monate und beträgt 3,40 Euro monatlich.


Ich bin Ende 50 und als Angestellter privat versichert. Reduziert sich mein Beitrag mit Rentenbeginn?

Bereits mit dem 60. Lebensjahr reduziert sich Ihr Beitrag durch den Wegfall des Zehn-Prozent-Zuschlags, der erhoben wird, um die Beiträge im Alter zu stabilisieren. Zu Rentenbeginn entfällt dann zusätzlich der Beitrag für Ihr Krankentagegeld. Es sichert den Fall der Arbeitsunfähigkeit ab, und dies benötigen Sie mit Rentenbeginn nicht mehr. Von der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten Sie dann einen Zuschuss zu Ihrem Krankenversicherungsbeitrag. Aktuell beträgt dieser 7,95 Prozent aus Ihrer gesetzlichen Rente. Weiterhin stehen Ihnen Wechselmöglichkeiten innerhalb Ihrer Gesellschaft nach Paragraf 204 VVG zu. Suchen Sie gegebenenfalls das Gespräch mit Ihrem Versicherer

Ich bin selbstständig und privat versichert, aber die Geschäfte laufen so schlecht, dass ich wieder in die gesetzliche Kasse wechseln möchte. Geht das noch mit 54?
Ja, die Grenze liegt bei 55 Jahren. Zudem müssten Sie wieder versicherungspflichtig werden – dazu müsste Ihr Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze, aber unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Das ist der Fall, wenn Sie über 450 Euro, aber nicht mehr als 5.362,50 Euro im Monat verdienen. Sie müssten Ihre Selbstständigkeit aufgeben bzw. daraus nicht mehr den Hauptanteil Ihres Einkommens beziehen.

Ich bin Rentner, 65, und kann die Beiträge für die Privatversicherung kaum noch zahlen. Komme ich in die gesetzliche Kasse zurück?
Nein, das ist nur bis zum 55. Lebensjahr möglich. Aber Sie haben ein Tarifwechselrecht nach Paragraf 204 VVG. Schauen Sie, ob Sie innerhalb Ihrer Gesellschaft in einen günstigeren Tarif wechseln, den Selbstbehalt erhöhen oder auf Leistungen verzichten können.

Ändert sich 2022 der Freibetrag auf die Betriebsrente?
Nein, der Freibetrag, auf den keine Krankenkassenbeiträge zu zahlen sind, bleibt auch 2022 bei 164,50 Euro im Monat. Wer weniger Betriebsrente erhält, muss gar keine Beiträge zahlen. Erst auf den Betrag oberhalb des Freibetrages werden Zahlungen von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag fällig. Zu beachten ist, dass der Freibetrag nicht für die Pflegeversicherung gilt. Hier wird für alle gesetzlich Versicherten die gesamte Betriebsrente zugrunde gelegt.

Ich bin seit kurzem Rentner und freiwillig versichert. Bei mir wird kein Freibetrag bei der Betriebsrente berücksichtigt. Ist das richtig?
Ja, der Freibetrag gilt ausschließlich für Pflichtversicherte. Bei freiwillig Versicherten wird die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zugrunde gelegt. Dazu zählt auch die Betriebsrente.

Ich bin Ende 50 und habe gehört, dass man als Privatversicherter über die Familienversicherung eventuell doch in die gesetzliche Kasse zurückkommt. Stimmt das und wo steht das?
Diese Variante ist in Paragraf 10 SGB V beschrieben. Vorausgesetzt, Ihre Frau ist gesetzlich versichert, könnten Sie über sie in die Familienversicherung wechseln. Allerdings dürfen Ihre monatlichen Gesamteinkünfte 470 Euro nicht überschreiten. Das wird von der Kasse geprüft. Bei Einkommen ausschließlich aus einer geringfügigen Beschäftigung gilt die Grenze von 450 Euro.

Ich bin knapp 60 und nach langer Zeit aus Mexiko zurückgekommen. Wie werde ich jetzt krankenversichert? In Deutschland war ich privat versichert.
Für die Versicherung nach einer Rückkehr aus dem Ausland ist immer die Krankenkasse zuständig, bei der Sie zuletzt vor Ihrem Weggang versichert waren. In diesem Fall ist es die Privatversicherung.

Wie kommt es, dass ich nur 650 Euro Rente bekomme, aber auf über 1000 Euro Krankenkassenbeiträge zahlen soll? Ich bin freiwillig versichert.
Das ist gesetzlich so festgelegt. Bei freiwillig Versicherten wird ein fiktives Mindesteinkommen unterstellt, das derzeit und im kommenden Jahr bei 1096,67 Euro liegt. Davon wird der Mindestkrankenkassenbeitrag berechnet. Es ist unerheblich, ob Sie das unterstellte Mindesteinkommen erreichen oder nicht. Eine Sparmöglichkeit gibt es nur über den kassenindividuellen Zusatzbeitrag. Da dieser bei jeder Kasse unterschiedlich ist, bringt Ihnen vielleicht ein Kassenwechsel etwas weniger Beiträge.

Kann ich als Rentner von der freiwilligen in die Pflichtversicherung wechseln? Mein Bekannter ist dort versichert und zahlt viel weniger Beitrag.
Ihre Einstufung als freiwillig Versicherter einer gesetzlichen Kasse ergibt daraus, dass Sie offenbar nicht die erforderliche Vorversicherungszeit erreicht haben. Diese beinhaltet, dass Sie neun Zehntel der zweiten Hälfte Ihres Berufslebens gesetzlich versichert gewesen sein müssen – gleich, ob freiwillig, familien- oder pflichtversichert. Vielleicht erreichen Sie diese Vorgabe über Ihre Kinder. Pro Kind, Stiefkind oder Pflegekind werden Ihnen laut Paragraf 5 Absatz 2 des SGB V drei Jahre Mitgliedschaft angerechnet. Beantragen Sie das bei Ihrer Kasse und legen Sie die Geburtsurkunden Ihrer Kinder bei. Für Neurentner wird das automatisch geprüft.

Würden mir in diesem Fall auch die zu viel gezahlten Beiträge erstattet?
Ja, und zwar ab 1. August 20217, wenn Sie die erforderlichen Bedingungen erfüllen. Der Anspruch verjährt allerdings zum Ende des Jahres 2021. Das kann also knapp werden. Die vierjährige Verjährungsfrist ist zu finden in Paragraf 27 des SGB IV.

Ich bin freiwillig versichert, mein Lebenspartner privat. Sein Einkommen wird auf meins dazu gerechnet, und ich muss auf die gesamte Summe Kassenbeiträge zahlen. Das ist doch nicht in Ordnung, oder?
Doch. Die Gesetzeslage ist leider so. Sie sieht vor, dass bei freiwillig Versicherten, deren Ehemann oder Lebenspartner privat versichert ist, Kassenbeiträge auf das eigene und auf das Einkommen des Partners zu zahlen sind. Sollten Sie Kinder haben, können Freibeträge das anzurechnende Einkommen mindern.

Kommt man da gar nicht raus?
Es gibt wenige Ausnahmen. So zählt das Einkommen nicht mit, wenn Sie dauernd von Ihrem Lebens- oder Ehepartner getrennt leben, oder wenn Sie mehr verdienen als dieser, oder wenn Sie im Jahr mindestens ein Einkommen von 2.418,75 Euro monatlich haben.

Ich zahle in der Gesetzlichen den Höchstbeitrag. Kann ich mich bei meinem Kassenarzt als Privatpatientin behandeln lassen?
Antwort: Es besteht die Möglichkeit der Wahl von Kostenerstattung für ambulante ärztliche Behandlung. Die Kasse erstattet dann die Kassensätze abzüglich eines Verwaltungskostenabschlags.

Ich bin freiwillig versichert und zahle 200 Euro Krankenkassenbeitrag, obwohl ich nur knapp 600 Euro Rente habe. Kann das sein?
Ja. Das hängt mit dem fiktiven Mindesteinkommen zusammen, das bei freiwillig Versicherten unterstellt wird. In diesem und im kommenden Jahr sind das 1.096,67 Euro monatlich, was etwa 200 Euro Kranken- und Pflegeversicherung ausmacht. Die genaue Höhe wird davon bestimmt, ob Sie Kinder haben oder nicht. Bei freiwillig Versicherten wird die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zur Beitragsberechnung herangezogen, auch Miet- oder Pachteinnahmen, Kapitaleinkünfte oder die private Lebensversicherung.

Bekomme ich als privat versicherter Rentner auch einen Zuschuss zur Krankenversicherung?
Ja, aber Sie erhalten ihn nicht automatisch. Sie müssen ihn rechtzeitig bei der Rentenversicherung beantragen. Der Zuschuss beträgt derzeit 7,95 Prozent der monatlichen Altersrente.

Ich war mein ganzes Leben gesetzlich versichert, mal pflicht-, mal familien-, mal freiwillig versichert. Komme ich damit in die Krankenversicherung der Rentner KVdR?
Ja. Die Bedingung ist, dass Sie 90 Prozent der zweiten Hälfte Ihres Berufslebens gesetzlich versichert gewesen sein müssen. Das kann eine Pflichtversicherung, eine Familienversicherung oder eine freiwillige Versicherung gewesen sein. Dies scheint bei Ihnen der Fall zu sein. Dann zahlen Sie nur noch auf Ihre Altersrente, Betriebsrenten und Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit Beiträge.

Kann ich als privat versicherter Rentner in den Standardtarif wechseln, um Beiträge zu sparen?
Möglich ist das, wenn Sie bereits vor dem 01.01.2009 privat krankenversichert waren, wenn Sie eine bestimmte Altersgrenze erreicht haben oder Rente beziehen. Der Leistungsumfang entspricht im Wesentlichen dem der gesetzlichen Krankenversicherung. Beachten sollten Sie, dass der Standardtarif das Honorar des behandelnden Arztes auf den 1,8-fachen Satz der GOÄ bzw. bei Zahnärzten den 2,0-fachen Satz begrenzt.

Meine Tochter ist Studentin, privat versichert und beihilfeberechtigt. Weil die Beihilfeberechtigung endet, muss sie nun einen höheren Beitrag zahlen. Kann sie in die gesetzliche Kasse wechseln?
Das ist leider nicht möglich. Für die Dauer des Studiums bleibt sie privat versichert.

3 Kommentare