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"Jeder kann etwas für die Natur machen"

Nicht nur die Landwirte sind schuld am Artensterben, betont das Ehepaar Funke aus Neuhaus - 10.08.2018 16:43 Uhr

Ein altes Bild von der Flur um Neuhaus: Wilfried und Frederike Funke sind überzeugt, dass auf ihren Feldern heutzutage große Artenvielfalt herrscht. © Foto: Berny Meyer


"Hier sehen Sie, das ist ein Foto von 1950 von Neuhaus aus der Luft. Da gibt es weniger Hecken und Bäume wie jetzt." Wilfried und Frederike Funke wollen so zeigen, dass es früher nicht viel besser war und dass es jetzt in ihrer Gegend rund um Neuhaus noch viele Insekten, Vögel und Kleintiere gibt.

Die beiden betreiben seit rund 40 Jahren einen landwirtschaftlichen Hof in Neuhaus, den Wilfried Funke von seinem Vater übernommen hat.

Garten in Granit und Beton: Ein Hochdruckreiniger kann hier gute Dienste tun, passionierte Gärtner würden möglicherweise eine andere Gartengestaltung bevorzugen. © Kärcher


Angebaut wird ein bunter Mix aus Getreide, Mais, Rüben und auf rund 150 Hektar Fläche jede Menge Kräuter für den Teehersteller Martin Bauer Group in Vestenbergsgreuth – von Minze, Luzerne, Malve, Melisse über Kapuzinerkresse und Brennnessel bis Liebstock und Johanniskraut.

"Ich hab neulich Kräuter auf einem Feld gemäht, da hat es von Insekten nur so gewuselt", erzählt Frederike Funke. Spontan habe sie dann eine Mail an die Nordbayerischen Nachrichten geschickt. Darin steht zum Beispiel: "Gerade komme ich vom Feld – ein Meer von Blüten, ein Meer von Bienen, Schmetterlingen, Hummeln. Wie viel Bienen fliegen denn da – sind es Hunderte, Tausende? Wie viele Schmetterlinge und andere Tiere?

Manchmal hoppelt ein Häschen aus seinem Unterschlupf oder ein Rebhuhn ergreift die Flucht."

Ein gepflegter Hausgarten in Neuhaus: Es blühen zahlreiche Arten. © Maria Däumler


Weil es das Ehepaar wurmt, dass meist nur die Landwirte für das Insektensterben verantwortlich gemacht werden, wollen sie jetzt vorführen, dass es im klein strukturierten Aischgrund keine riesige Monokulturen, sondern zahlreiche verschiedene Anbauflächen gibt, auf denen es grünt und blüht, auf denen Fauna und Flora in aller Vielfalt wachsen und gedeihen. "Das bunte Nebeneinander von Kräutern, Getreide und Mais ist wichtig, jede Pflanze hat ihre Berechtigung", findet die 59-jährige Landwirtin. Selbst im stark gescholtenen Mais verstecken sich viele kleine Tiere.

Jetzt allerdings sind die Kräuter bereits geerntet, zudem haben Hitze und Trockenheit fast alle Pflanzen verdorren lassen. Nur vereinzelt fliegen auf dem Kräuteracker Bienen und Hummeln über die übriggebliebenen violetten Malvenblüten oder die kleinen Blütchen der Minze. "Aber wenn es regnet, schaut das in zwei Wochen hier wieder ganz anders aus, dann grünt und blüht es wieder, dann sind auch wieder mehr Insekten unterwegs", ist sich Wilfried Funke sicher.

Den Neuhauser ärgern die einseitigen Vorwürfe in Richtung Landwirtschaft: "Keiner sagt was von der Bahn, die ihre Bahndämme regelmäßig mit Pestizide besprühen. Auf der alten Bahnstrecke von Höchstadt nach Forchheim, die vor rund 40 Jahren stillgelegt wurde, wächst heute noch nichts", führt er als Beispiel an. "Ich vermisse, dass die Leute sich die Zusammenhänge genauer anschauen. Viele urteilen oft nur oberflächlich und schnell."

Zudem haben die Funkes das Gefühl, dass viele Menschen, die von Insektensterben sprechen, selbst nicht viel dafür tun, dass sich die Situation ändert. "Jeder kann was dafür machen, dass Bienen und Schmetterlinge mehr Nahrung finden", sagen beide – und verweisen auf die in Mode geratenen Gärten mit viel Granit oder Kies, mit Koniferen, Buchs und Gräsern. "Hier ist kein Platz für Insekten."

Bei der Fahrt durch das Neuhauser Neubaugebiet zeigen die Funkes verschiedene Vorgärten: In den einen grünt und blüht es wie im Paradies, in anderen hält der Mähroboter den Golfrasen zwischen den Koniferen so kurz, das ja kein Blümlein gedeiht.

"Ich will das ja nicht verurteilen", meint Funke. Aber das zeige doch auch, dass die Landwirte nicht an allem schuld sind.

"Das ist halt der Unterschied: Der eine freut sich über die Gartenarbeit und seine blühenden Beete, der andere freut sich, dass er im Garten nichts mehr arbeiten muss." 

Maria Däumler NN-Springerredaktion E-Mail

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