Abschied

Abschied mit Tränen? Behrens spricht über seine Zeit beim Club

18.5.2021, 06:00 Uhr
Jubelt bald in einer anderen Stadt: Hanno Behrens (links).

Jubelt bald in einer anderen Stadt: Hanno Behrens (links). © Sportfoto Zink / WoZi, ARC

Wenn einer die Sache mit den Krokodilen aufklären könnte, dann ja wohl der – oft erzählte Geschichte – Seefahrtskapitänsenkel Hanno Behrens. Das dachte sich zumindest Mikael Ishak, mit den Weltmeeren und Binnengewässern offenbar weniger bewanderter Angreifer des 1. FC Nürnberg. Also hat Ishak zum Telefon gegriffen und Hanno Behrens angerufen. Eine Frage nur, Hanno: "Gibt es Krokodile im Valznerweiher?" Klar gibt es Krokodile im Valznerweiher, sagte Behrens – und ein nun tiefer verunsicherter Ishak wusste, dass er da gerade richtig gesehen hatte bei seinem Spaziergang in der Nähe des Vereinsgeländes.

Lustige Geschichte von früher. Behrens hat sie gerade dem Vereinsfernsehen erzählt, so wie er gerade ständig lustige und traurige Geschichten von früher erzählen muss. Der Anlass für das ständige Geschichtenerzählen ist ebenfalls traurig: Hanno Behrens verlässt den 1. FC Nürnberg, nach der Saison ist Schluss, das Ende nach sechs gemeinsamen Jahren.
Ein schönes Ende ist es nicht unbedingt, Behrens macht sich gar nicht erst die Mühe so zu tun, als wäre dieser Abschied auch nur annähernd nach seinen Vorstellungen verlaufen. Trotzdem kein Widerspruch: Im Groll geht er auch nicht.


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Krachender Auftakt für Behrens

Hanno Behrens hat eigentlich immer spielen dürfen, seit er damals vom Erstliga-Aufsteiger Darmstadt zur Zweitliga-Mittelmaßmannschaft Nürnberg gewechselt ist. Ein Vergnügen war schon der Start beim neuen Verein nicht. Ein krachendes 3:6 beim SC Freiburg, auf der Rückfahrt mussten sie auf einem Autobahnrastplatz den erzürnten Ultras die Bustüren öffnen. Am Ende dieser Spielzeit sind sie trotzdem beinahe in die erste Liga aufgestiegen, aber die 65 Punkte reichten nur zu Platz drei (zwei Punkte hinter der Leipziger Fußball-Firma) und zwei Relegationsspielen gegen Eintracht Frankfurt.

Die Relegationsspiele haben sie verloren, aber Behrens erinnert sich trotzdem gerne an dieses Jahr, das ihm sehr früh viel verraten hat darüber, welche Spannweite der Nürnberger Fußballgefühle es gibt. "Das war die beste Mannschaft, in der ich hier in Nürnberg gespielt habe", sagt Behrens heute. Er sagt das, obwohl sie zwei Jahre später mit einer anderen Mannschaft dann doch noch aufgestiegen sind. Das gehört dazu zum Geschichtenerzählen von Hanno Behrens: Dass er jetzt immer mal wieder aufgefordert wird, das mit diesem zu vergleichen, den Trainer zu bewerten oder jenen.

Er macht das auch, er macht das aber alles fast immer freundlich, auch wenn er sagt, dass die letzten zwei Jahre nicht schön waren beim Club. Erst war da der Trainer Damir Canadi, der erstmals angedeutet hat, dass er sich den Nürnberger Fußball auch ohne Hanno Behrens vorstellen kann. Dann kam später der Trainer Robert Klauß, der diese Vorstellung Wirklichkeit hat werden lassen.

Hass im Internet gegen Behrens

Bei Canadis Versuch war der Aufschrei rund um den Club noch groß. Bei Klauß wurde das beinahe schon gleichgültig akzeptiert, Behrens hatte im nun schon dritten, schlimm geratenen Nürnberger Fußballjahr in Folge nicht mehr viele Fürsprecher. Im Gegenteil: Behrens wurde sogar ausgiebig beschimpft. In Zeiten der Pandemie vor allem im Internet. Er liest das nicht. "Aber zugetragen", sagt Behrens, "wird es uns trotzdem."

Man merkt, wie er leidet unter dem Hass, den Menschen in der Lage sind auf andere, fußballspielende Menschen zu projizieren. Man hätte es sich deshalb sehr gut vorstellen, dass er jetzt aufhört mit dem Sport. Behrens ist 31 Jahre alt, im Fußball ist das ein Alter, in dem man sagen kann, dass es jetzt auch gut ist.


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Aber Behrens hat noch nicht genug, er will noch spielen. Wo? Weiß er noch nicht, sagt er. Vielleicht in Australien, vielleicht weiter in der zweiten Liga. Er sieht das ganz gelassen, irgendwann wird eine Entscheidung fallen und dann zieht er weg aus Nürnberg. Zurück lässt er einen Verein, den er geprägt hat – und ein paar Krokodile, die im Valznerweiher ein bisschen weinen.


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