Gewichtheberin im Pech

Die lehrreiche Finnland-Fahrt der Amelie Hörner

Bei diesem Versuch hat Amelie Hörner ihre Last zur Hochstrecke gebracht – das gelang ihr in Rovaniemi nicht immer.
 

Bei diesem Versuch hat Amelie Hörner ihre Last zur Hochstrecke gebracht – das gelang ihr in Rovaniemi nicht immer.   © BVDG Leistungssport, NN

Finnland war zwar für Amelie Hörner durchaus ein Erlebnis und eine Reise wert. Mit dem neunten Platz im Gepäck und Ergebnissen, mit denen sie ihren eigenen Erwartungen nicht gerecht wurde, konnte sie aber nicht zufrieden sein. Trotzdem war die Junioren-Europameisterschaft im Gewichtheben für die junge Athletin des ASV 1860 Neumarkt eine wichtige Erfahrung.

Seit Juni dieses Jahres lebt die 19-Jährige in Berlin und trainiert dort am Bundesstützpunkt. Sie habe sich dort mittlerweile gut eingelebt, auch wenn der Wechsel von Land zu Stadt, von flexiblen zu fixen Trainingszeiten und andere Dinge mehr zunächst schon eine Umstellung für sie waren. Mit den Trainern und den anderen Athleten komme sie gut klar und auch an die Abläufe habe sie sich in der Zwischenzeit gewöhnt, sagt sie. Auch dem eigenen Leistungsvermögen scheint der Umzug zu nutzen. Die Ergebnisse, die sie vor der EM gezeigt hat, waren beachtlich.

„Die Vorbereitung ist mega gut gelaufen“, erzählt die Allersbergerin nach ihrer Rückkehr. Dementsprechend waren auch ihre persönlichen Erwartungen für die EM „sehr hoch“. Sechs gültige Versuche und 196 Kilogramm insgesamt – 88 im Reißen und 108 im Stoßen – hatte sich die ehrgeizige junge Frau zum Ziel gesetzt. Damit hätte sie ihre bestehenden persönlichen Bestleistungen jeweils um ein Kilogramm beim Reißen und zwei beim Stoßen verbessert. „Angesichts dieser Vorbereitung wäre das schon drin gewesen“, ist sie sich sicher.

Erkältung zum schlechtesten Zeitpunkt

Doch kaum war sie in Rovaniemi, begannen die Probleme. Sie erwischte eine Erkältung. Die nächsten Tage trainiert sie trotzdem, bereitet sich weiter auf ihre erste Europameisterschaft bei den Juniorinnen vor. Doch die Erkältung ist hartnäckig, Amelie Hörner merkt, dass sie nicht 100-prozentig fit ist, braucht am Tag vor dem Wettkampf sogar noch eine Infusion.

Am Wettkampftag heißt es für sie zunächst einmal warten und den Tag herumbringen. Denn für sie geht es erst am Abend auf die Bühne. Das Aufwärmen war noch ganz okay, sie fühlt sich soweit fit, ist aber doch „mega aufgeregt“. Dann geht es endlich los. Die 82 kg beim ersten Versuch im Reißen sind kein Problem. Den zweiten Versuch mit 85 kg werten die Kampfrichter jedoch als ungültig - „wahrscheinlich, weil ich nachgedrückt habe.“ Im letzten Versuch kann sie die 88 kg nicht hoch genug bringen und halten.

Und so nimmt sie „nur“ die 82 kg vom Anfang mit ins Stoßen. Definitiv keine perfekte Ausgangslage. „Da war ich schon ziemlich geknickt“, gibt sie zu.
Trotzdem versucht sie sich neu zu fokussieren und auf ihr Können zu konzentrieren. Mit souveränen gestoßenen 100 kg („das geht immer“) beginnt sie. Auch die 103 kg im zweiten Versuch gelingen, es sieht wieder besser aus für die Neumarkter Sportlerin. Also lässt sie zuletzt 106 kg, ihr Zielgewicht, auflegen. Doch beim Aufstehen weicht sie nach hinten aus, kann die Langhantel nach diesem technischen Fehler nicht vollständig gestreckt nach oben bringen und muss den Versuch schließlich abbrechen.

Zuerst flossen Tränen

Als sie den Wettkampf mit 185 kg auf Rang neun beendet, fließen erst einmal die Tränen. „Ich war enttäuscht, vor allem, weil ich mein Potential, das in mir steckt, nicht zeigen konnte.“

Aber ihre Trainer und das Team bauen sie wieder auf und auch aus der Heimat kommen schon bald aufmunternde und stolze Worte. Mittlerweile habe sie sich „damit abgefunden. Ich bin noch jung, das war erst meine zweite EM (2019 ging sie bei der Jugend-EM in Israel an den Start, Anm. d. Red.), und auf der Leistung, den Erfahrungen kann ich aufbauen.“

Jetzt sind erstmal zwei Wochen Urlaub daheim in Allersberg angesagt. Zwei Wochen Familie, Freunde treffen und nicht Gewichtheben. Ab November wird Amelie Hörner um ein paar neue Erfahrungen reicher werden: Am 1. November beginnt für die 19-Jährige, die seit September Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist, die militärische Grundausbildung in Hannover.

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