Aufstiegs-Interview

Frickenfeldens Trainer: "Das geht in die Geschichte ein"

6.7.2021, 12:01 Uhr
Engagiert an der Seitenlinie: Trainer René Ferstl hat die gute Arbeit seines Vorgängers Michael Bund fortgeführt und den FC Frickenfelden zum Kreisklassisten gemacht.

Engagiert an der Seitenlinie: Trainer René Ferstl hat die gute Arbeit seines Vorgängers Michael Bund fortgeführt und den FC Frickenfelden zum Kreisklassisten gemacht. © Foto: Mathias Hochreuther

Am Ende war es der Quotient, der über den Aufstieg des FC Frickenfelden entschieden hat. Der Tabellenerste der A-Klasse West erreichte in der Saison 2019/21 2,32 Punkte pro Spiel – mehr als der direkte Verfolger FC Stirn, der "nur" 2,15 Punkte pro Partie für sich verbuchen konnte.

Mit dem Aufstieg schlägt der FC ein neues Kapitel seiner Vereinsgeschichte auf. Nie zuvor hat man im Gunzenhäuser Ortsteil so hochklassig antreten dürfen. Noch vor zehn Jahren schien der Fußball in Frickenfelden am Boden, der Klub dümpelte in der B-Klasse umher. Jetzt hat eine neue Euphorie den FC erfasst, wie Trainer René Ferstl berichtet.

Als der Aufstieg feststand hat die Mannschaft wegen Corona auf eine Party verzichtet – wurde die inzwischen nachgeholt?

René Ferstl: Ja, wir haben gestern gefeiert. Es war eine mannschaftsinterne Feier mit den Spielern und Vorständen, das war wirklich sehr schön! Wir saßen zusammen im Vereinsheim.

Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass der FC Frickenfelden nun ein Kreisklassist ist?

Ferstl: Ich denke, am Ende war es wirklich die mannschaftliche Geschlossenheit. Natürlich hätte die Saison vielleicht auch anders enden können, wenn die restlichen Spiele noch ausgetragen worden wären. Trotzdem haben wir es über die gesamte Saison hinweg gesehen verdient. Man muss ja sehen, dass das Team unter meinem Vorgänger Michael Bund sogar ungeschlagen war (Bund hatte das Amt im Sommer 2020 aus gesundheitlichen Gründen an Ferstl übergeben, Anm. d. Red.).

"Wir müssen dazulernen"

War der Aufstieg von Anfang an das Saisonziel?

Ferstl: Das war schon das Ziel. Mit den Leuten, die da sind, musst du das angreifen. Frickenfelden hat ja auch in den vergangenen beiden Saisons immer schon oben mitgespielt. Am Ende sind sie dann halt eingebrochen. Und dieses Jahr haben wir es eben wirklich geschafft. Das geht natürlich in die Vereinsgeschichte ein.

Was bedeutet dieser Erfolg für den gesamten Verein?

Ferstl: So wie die Mannschaft dazugelernt hat, muss auch der gesamte Verein dazulernen. Da werden neue Aufgaben auf uns zukommen, die wir erst einmal bewerkstelligen müssen. Das habe ich auch gestern nochmal allen gesagt. Wenn es jetzt dann das Derby gegen Pfofeld gibt, zum Beispiel, dann sind da vielleicht 200 oder 300 Zuschauer. Dafür braucht man auch die Strukturen.

Der Verein muss sich also professioneller aufstellen – was heißt das konkret?

Ferstl: Wir verbessern gerade zum Beispiel die Gegebenheiten auf dem Platz und im Sportheim, da sind wir noch nicht überall auf Kreisklassen-Niveau. Wir haben schon den A-Platz saniert, der ist jetzt wirklich in einem guten Zustand. Auch den B-Platz haben wir hergerichtet, damit wir einfach bessere Trainingsbedingungen haben.

Wie groß schätzen Sie den Unterschied zwischen A-Klasse und Kreisklasse aus sportlicher Sicht ein?

Ferstl: Ich sage, der Unterschied ist eigentlich gar nicht so groß. Wir haben schon Vorbereitungsspiele gegen Kattenhochstatt und Oberhochstatt gespielt. Gegen den FC Aha haben wir letztes Jahr in der Vorbereitung sogar gewonnen. Ich finde, den Aufstieg zu schaffen, ist schwieriger als sich in der Kreisklasse zu halten. Weil man über die ganze Saison konstant sein muss. Wenn da mal einer verletzt ist, hast du schon ein Problem. Wenn wir in der Kreisklasse mal ein Spiel gewinnen und dann eines verlieren, ist es nicht so schlimm.

Mehr als der Klassenerhalt?

Wie viele Neuverpflichtungen haben Sie getätigt?

Ferstl: Wir haben insgesamt fünf, sechs neue Leute geholt. Wir haben nächstes Jahr ja erstmals auch eine zweite Mannschaft in der B-Klasse. Da haben wir uns also auch neu aufgestellt im Hinblick auf die kommende Saison. Das brauchst du einfach für die Kreisklasse. Da kann man den Konkurrenzkampf auch ganz anders anheizen. Wir haben momentan zwischen 18 und 24 Leuten im Training. Das macht sehr, sehr viel Spaß – auch für mich als Trainer. Das sind auch lauter junge Leute, da ist das Ziel des Vereins natürlich, die zusammenzuhalten.

Sie wollen also etwas aufbauen?

Ferstl: Ja, wir wollen etwas aufbauen, dann haben wir in den nächsten drei, vier Jahren wirklich Potenzial. Wenn alle dabei bleiben und der ein oder andere noch dazukommt, dann kann man irgendwann vielleicht auch mal im oberen Drittel der Kreisklasse mitspielen.

Könnte schon in der neuen Saison mehr möglich sein als "nur" der Klassenerhalt?

Ferstl: Das wird sich zeigen. Wenn du einige Verletzungen hast, kann es natürlich schnell auch in die andere Richtung gehen. Mittelfristig gibt es schon Ambitionen für mehr. Man muss aber sehen: Im ersten Jahr ist es als Aufsteiger oft ein bisschen leichter als im zweiten Jahr. Die Euphorie ist noch da und man wird etwas unterschätzt.

Wer ist dieses Jahr Favorit in der Kreisklasse?

Ferstl: Für mich ist das Kattenhochstatt. Und man muss auch sehen, was der FC/DJK Weißenburg macht. Aber Kattenhochstatt ist der Top-Favorit.

"Werden uns mit Corona beschäftigen müssen"

Nächste Saison wird es auch ein Derby gegen den FC Aha geben. Zwei Gunzenhäuser Stadtteile gegeneinander – ist das etwas Besonderes?

Ferstl: Das ist schon ein schönes Derby. Diese Spiele gegen Aha und gegen Pfofeld, das sind schon Partien, da fiebert man darauf hin. Auf diese Gegner ist man fixiert. Wir würden das Eröffnungsspiel gerne gegen Pfofeld machen. Mal schauen, ob das klappt.

Haben Sie Angst, dass das Thema Corona in dieser für den FC historischen Saison erneut dazwischenfunkt?

Ferstl: Ich bin fest überzeugt, dass dieses Thema nochmal kommt. Ich weiß nicht, inwiefern das dann den Fußball betrifft, aber ich bin der Meinung, dass wir uns damit wohl nochmal beschäftigen müssen. Ich hoffe aber natürlich nicht, dass wir Spiele absagen müssen.

Während des letzten Lockdowns haben Sie auf Ihr Gehalt verzichtet...

Ferstl: ... für mich eine normale Sache. Ich kann doch nicht den Verein ausnehmen, wenn ich gar nichts mache! Das können andere so machen, aber das ist nicht meine Art. Mir macht das ja auch Spaß. Ich bin ja nicht nur Trainer, weil ich Geld bekomme. Ich mache das aus Leidenschaft.

Zur Person: René Ferstl, 49 Jahre alt, ist seit Sommer 2020 Trainer des FC Frickenfelden und führte das Team zum Aufstieg in die Kreisklasse. Zuvor war der Betonmischmeister als Spielertrainer u. a. bei der DJK Obererlbach, dem SV Großweingarten und dem SV Alesheim unter Vertrag. Als Aktiver kickte er beispielsweise beim FV Dittenheim bei der DJK Schwabach (Bezirksoberliga) und beim TSV 1860 Weißenburg.

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